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Der Glücksritter

Von

Wenn Fortuna spröde tut,
Laß ich sie in Ruh,
Singe recht und trinke gut,
Und Fortuna kriegt auch Mut,
Setzt sich mit dazu.

Doch ich geb mir keine Müh:
„He, noch einer her!“
Kehr den Rücken gegen sie,
Laß hoch leben die und die –
Das verdrießt sie sehr.

Und bald rückt sie sacht zu mir:
„Hast du deren mehr?“
Wie Sie sehn. – „Drei Kannen schier,
und das lauter Klebebier!“ –
′s wird mir gar nicht schwer.

Drauf sie zu mir lächelt fein:
„Bist ein ganzer Kerl!“
Ruft den Kellner, schreit nach Wein,
Trinkt mir zu und schenkt mir ein,
Echte Blum und Perl.

Sie bezahlet Wein und Bier,
Und ich, wieder gut,
Führe sie am Arm mit mir
Aus dem Haus, wie′n Kavalier,
Alles zieht den Hut.

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Gedicht: Der Glücksritter von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Glücksritter“ von Joseph von Eichendorff ist eine heitere und lebensbejahende Auseinandersetzung mit dem Konzept des Glücks. Es zeichnet das Bild eines Mannes, der sich nicht von Widrigkeiten entmutigen lässt, sondern stattdessen durch Gesang, Trinken und eine gelassene Haltung das Schicksal herausfordert. Die Personifikation der Fortuna als launische, aber letztendlich gewinnbare Geliebte ist ein zentrales Element des Gedichts.

Der Glücksritter reagiert zunächst auf das „spröde“ Verhalten der Fortuna mit Ignoranz und Selbstgenuss. Er singt und trinkt, wodurch er die Aufmerksamkeit und letztendlich auch die Gunst der Glücksgöttin auf sich zieht. Seine Haltung ist durchweg entspannt und frei von Ehrgeiz oder übermäßigem Bemühen. Indem er Fortuna den Rücken kehrt und das Leben genießt, erzeugt er eine Gegenreaktion und provoziert ihr Interesse. Diese umgekehrte Logik, die im Kern des Gedichts steckt, vermittelt die Botschaft, dass Glück nicht durch erzwungenes Streben, sondern durch eine positive Lebenseinstellung erlangt werden kann.

Die Sprache des Gedichts ist leicht und spielerisch, mit klaren Reimen und einer rhythmischen Struktur, die den unbeschwerten Charakter der Erzählung unterstreicht. Die Verwendung von umgangssprachlichen Ausdrücken wie „kriegt auch Mut“ oder „gar nicht schwer“ verleiht dem Gedicht eine volkstümliche Note. Die humorvolle Darstellung des Aufeinandertreffens des Glücksritters und der Fortuna, die zunächst abweisend, dann interessiert und schließlich großzügig wird, bildet das Zentrum der Geschichte.

Das Gedicht gipfelt in einer erfreulichen Wendung: Fortuna, beeindruckt von der Haltung des Glücksritters, wird ihm zugeneigt und belohnt ihn mit Wein und Geselligkeit. Er führt sie, wie ein Kavalier, am Arm aus dem Gasthaus, was die Umkehrung der traditionellen Rollen verdeutlicht und die Botschaft des Gedichts unterstreicht. Der Schlussvers, in dem alle „den Hut ziehen“, markiert den Triumph des Glücksritters, der durch seine unbeschwerte Lebensart das Schicksal besiegt hat. Eichendorffs Gedicht ist somit eine charmante Hymne auf die Lebensfreude und die Kraft der positiven Einstellung.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.