Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, , , , ,

Der Bote

Von

Am Himmelsgrund schießen
So lustig die Stern,
Dein Schatz läßt dich grüßen
Aus weiter, weiter Fern!

Hat eine Zither gehangen
An der Tür unbeacht′,
Der Wind ist gegangen
Durch die Saiten bei Nacht.

Schwang sich auf dann vom Gitter
Über die Berge, übern Wald –
Mein Herz ist die Zither,
Gibt ein′n fröhlichen Schall.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Der Bote von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Bote“ von Joseph von Eichendorff entwirft eine romantische Szenerie, in der die Sehnsucht nach der geliebten Person durch eine Metapher des musikalischen Botschafters ausgedrückt wird. Die eröffnenden Strophen beschreiben eine idyllische Nacht, in der die Sterne lustig funkeln und die Nachricht der Liebe aus der Ferne kommt. Der „Schatz“ des lyrischen Ichs lässt grüßen, wobei die Distanz und das Heimweh durch die Weite der „weiten, weiter Fern“ betont werden.

Der Kern des Gedichts liegt in der zweiten Strophe, in der die Zither als zentrales Symbol eingeführt wird. Diese Zither, zunächst unbeachtet an der Tür hängend, wird vom Wind in Bewegung gesetzt. Der Wind, als Personifizierung der Natur und des unaufhaltsamen Laufes der Zeit, spielt auf den Saiten und erzeugt Musik. Die Musik wird so zum Boten der Gefühle, der die Trennung überwindet und die Verbindung zur Geliebten herstellt.

Die letzte Strophe kulminiert in der Identifikation des lyrischen Ichs mit der Zither. Das Herz des Sprechers wird zur Zither, die durch die Musik, die sie erzeugt, einen „fröhlichen Schall“ von sich gibt. Die vorher beschriebene Reise über Berge und Wald, die der Wind mit der Musik vollführt hat, spiegelt die Reise der Liebe und der Gedanken wider, die die Distanz überwinden und die Verbindung zur geliebten Person herstellen.

Die Stärke des Gedichts liegt in seiner einfachen, aber wirkungsvollen Bildsprache und der Verwendung von Metaphern, insbesondere der Zither als Metapher für das Herz und die Sehnsucht. Eichendorff schafft es, eine Atmosphäre der Romantik und der Verbundenheit trotz der räumlichen Trennung zu erzeugen. Das Gedicht feiert die Kraft der Liebe und der Kunst, die als Brücke zwischen den Liebenden dient und die Sehnsucht in freudvolle Klänge verwandelt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.