Ein Glockentonmeer wallet
Zu Füßen uns und hallet
Weit über Stadt und Land.
So laut die Wellen schlagen,
Wir fühlen mit Behagen
Uns hoch zu Schiff getragen
Und blicken schwindelnd von dem Rand.
Auf einen Kirchturm
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Auf einen Kirchturm“ von Eduard Mörike beschreibt in knappen Worten das Gefühl und die Perspektive, die sich einem Betrachter auf der Spitze eines Kirchturms eröffnen. Der Fokus liegt auf der auditiven und visuellen Wahrnehmung der Umgebung, die durch die Metapher einer Schifffahrt und des Meeres verstärkt wird. Das Gedicht erzeugt eine Atmosphäre von Erhabenheit und einem Gefühl des Transports, wobei der Titel bereits den Ort der Beobachtung vorgibt.
Der erste Teil des Gedichts konzentriert sich auf das Hören. Das „Glockentonmeer“ und das Verb „wallet“ (wälzt), sowie „hallet“ (hallt), beschreiben die allgegenwärtige und überwältigende Präsenz des Glockengeläuts. Diese Metapher eines Meeres aus Tönen suggeriert eine Fließbewegung und eine Weite, die sich über „Stadt und Land“ ausbreitet. Die Verwendung von Klangwörtern wie „laut“ und „schlagen“ unterstreicht die Dynamik und Intensität des Klangerlebnisses.
Der zweite Teil des Gedichts wendet sich der visuellen Wahrnehmung und dem Gefühl der Höhe zu. Die Formulierung „Wir fühlen mit Behagen / Uns hoch zu Schiff getragen“ greift die Schifffahrtsmetapher auf und erzeugt ein Gefühl des Wohlbehagens und der Geborgenheit, trotz der Höhe. Das Wort „schwindelnd“ im letzten Vers zeigt jedoch die potenzielle Kehrseite des Gefühls der Erhabenheit und weist auf die physische Erfahrung der Höhe hin. Die Kombination aus Vergnügen und Schwindel erzeugt eine Spannung, die das Gedicht auszeichnet.
Insgesamt ist das Gedicht eine kurze, aber eindringliche Darstellung der Erfahrung, von einem Kirchturm aus die Welt zu betrachten. Mörike verbindet dabei akustische und visuelle Eindrücke mit einem Gefühl von Erhabenheit und leichter Beklommenheit. Die Verwendung von Metaphern wie dem „Glockentonmeer“ und der „Schifffahrt“ verstärkt die poetische Wirkung und erzeugt ein intensives, sinnliches Erlebnis, das weit über die bloße Beschreibung eines Ortes hinausgeht. Das Gedicht fängt so die Ambivalenz der Erfahrung von Höhe und Weite ein – die Faszination und die potenzielle Gefahr.
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Lizenz und Verwendung
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