Auf ein Ei geschrieben

Eduard Mörike

1804

Ostern ist zwar schon vorbei, Also dies kein Osterei; Doch wer sagt, es sei kein Segen, Wenn im Mai die Hasen legen? Aus der Pfanne, aus dem Schmalz Schmeckt ein Eilein jedenfalls, Und kurzum, mich tät’s gaudieren, Dir dies Ei zu präsentieren, Und zugleich tät es mich kitzeln, Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

Die Sophisten und die Pfaffen Stritten sich mit viel Geschrei: Was hat Gott zuerst erschaffen, Wohl die Henne? wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen? Erstlich ward ein Ei erdacht: Doch weil noch kein Huhn gewesen, Schatz, so hat’s der Has gebracht.

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Interpretation

Das Gedicht "Auf ein Ei geschrieben" von Eduard Mörike ist eine humorvolle und spielerische Auseinandersetzung mit dem altbekannten Rätsel um die Frage, was zuerst da war: die Henne oder das Ei. Der Autor nutzt das Thema Ostern und die damit verbundene Eiersuche als Rahmen, um seine Botschaft zu vermitteln. In den ersten Strophen spielt Mörike mit der Idee, dass Hasen Eier legen könnten, und stellt die These auf, dass ein Ei zu jeder Jahreszeit eine Delikatesse ist. Er verknüpft dies mit der Idee, dem Empfänger ein Ei zu schenken und darauf ein Rätsel zu schreiben. Dieses Rätsel wird dann im weiteren Verlauf des Gedichts präsentiert. Das eigentliche Rätsel bezieht sich auf die Frage, was Gott zuerst erschaffen hat: die Henne oder das Ei. Mörike nimmt die "Sophisten und Pfaffen" aufs Korn, die sich angeblich hitzig darüber gestritten haben. Er löst das Rätsel auf humorvolle Weise, indem er behauptet, dass zuerst ein Ei erdacht wurde, aber da noch kein Huhn existierte, der Hase es gebracht habe. Damit spielt er auf den Osterhasen an, der traditionell die Ostereier bringt, und verknüpft so die Themen Rätsel, Ostern und die Henne-Ei-Frage auf amüsante Weise.

Schlüsselwörter

kein tät ostern zwar vorbei also osterei sagt

Wortwolke

Wortwolke zu Auf ein Ei geschrieben

Stilmittel

Alliteration
Schmeckt ein Eilein jedenfalls
Anspielung
Ostern ist zwar schon vorbei
Ironie
Doch wer sagt, es sei kein Segen, Wenn im Mai die Hasen legen?
Metapher
Und zugleich tät es mich kitzeln
Personifikation
Die Sophisten und die Pfaffen Stritten sich mit viel Geschrei
Rhetorische Frage
Was hat Gott zuerst erschaffen, Wohl die Henne? wohl das Ei?