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Ans Vaterland

Von

Was wäre der Dichter wunderbar Spiel,
Zög′s nicht wie Sonne durch innere Nacht;
Was wohl der Zauber in Ton und Lied,
Der wie der Frühling über Gräber hinzieht,
Wenn er die Lebendigtoten nicht weckte,
Und nicht die feigen Schlummernden schreckte.
Stehet auf! stehet auf! so rufet die Zeit,
Es ist der Richttag,der Herr ist nicht weit.

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Gedicht: Ans Vaterland von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Ans Vaterland“ von Clemens Brentano ist ein flammender Appell an das deutsche Volk, sich zu erheben und die gesellschaftliche Stagnation zu überwinden. Es präsentiert die Dichtkunst als ein mächtiges Werkzeug, das die Trägheit und den Stillstand durchbrechen kann. Brentano beginnt mit einer rhetorischen Frage, die die transformative Kraft der Poesie hervorhebt. Er fragt, welchen Wert die Kunst hat, wenn sie nicht in der Lage ist, das „Innere Nacht“ zu durchdringen und die Seelen der Menschen zu berühren und zu verändern.

Die zentralen Metaphern des Frühlings und des Erweckens aus dem Tod unterstreichen die erlösende und belebende Wirkung der Dichtung. Brentano beschreibt, wie die Kunst über die „Gräber hinzieht“ und die „Lebendigtoten“ erweckt, sowie die „feigen Schlummernden“ aufschreckt. Diese Bilder deuten auf eine schlummernde Nation hin, die durch die Kunst aus ihrer Lethargie gerissen und zur aktiven Teilnahme am Leben und zur Gestaltung der Gesellschaft aufgerufen werden soll. Die Sprache ist energisch und drängt zur Tat.

Der Aufruf „Stehet auf! stehet auf!“ ist nicht nur ein Weckruf, sondern auch ein politischer Aufruf zur Veränderung. Die Wiederholung verstärkt die Dringlichkeit der Botschaft. Brentano deutet an, dass die Zeit drängt und der „Richttag“ bevorsteht, was auf eine bevorstehende Entscheidung oder einen Wendepunkt in der Geschichte hindeutet. Der Hinweis auf den „Herrn“, der „nicht weit“ ist, könnte entweder einen religiösen oder einen politischen Bezug haben, je nach Interpretation. Es könnte sich auf das Jüngste Gericht oder auf einen politischen Umbruch beziehen.

Insgesamt ist das Gedicht eine kraftvolle Mahnung an die deutsche Nation, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die Chancen der Zeit zu ergreifen. Brentano nutzt die Dichtkunst als Mittel zur Erweckung und zur Aufforderung an ein aktives Handeln. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Veränderung und eine Warnung vor der Gefahr des Verharrens in Lethargie und Hoffnungslosigkeit. Das Gedicht spiegelt die politischen und gesellschaftlichen Spannungen seiner Zeit wider und fordert das Volk auf, eine aktive Rolle in der Gestaltung seiner Zukunft zu übernehmen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.