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An Frau Luise Walther

Von

Wie manchen Morgen, frisch und wohlgemut,Im lichten Sommerkleid, Feldblumen auf dem Hut,Trat sie bei uns, die edle Freundin, ein,Und wie sie kam, da war es Sonnenschein!Als ob sie weiter gar nicht wollte oder wüßte,Nur daß sie jedermann zur Freude dasein müßte,So lebte sie in klarer Gegenwart,Neidlos bei andrer Glück, die Lachende, die Feine;Doch heimlich sah ich’s oft in ahnungsvollem ScheineHoch über dieses Scheitels ReineWie einen sel’gen Stern, der seiner Stunde harrt.Nun ist’s geschehn! und mit verklärtem BlickeVon ihres Lebens Gipfel lächelt sie;Es war geschehn, kaum weiß sie selber wie,Denn jäh erfüllen sich die himmlischen Geschicke.

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Gedicht: An Frau Luise Walther von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An Frau Luise Walther“ von Eduard Mörike ist eine Elegie, die die Erinnerung an eine verstorbene Freundin, Luise Walther, feiert und ihren Tod betrauert. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung von Luise in lebendigen Bildern, die ihre Fröhlichkeit und ihre positive Ausstrahlung hervorheben. Sie wird als Person dargestellt, die „jedermann zur Freude dasein müßte“ und durch ihre Anwesenheit Licht und Sonnenschein in das Leben anderer bringt. Diese einleitenden Verse etablieren ein Bild von Luise als einer positiven, unbeschwerten und geliebten Person.

Im weiteren Verlauf des Gedichts deutet der Dichter jedoch auch auf eine tiefere, vielleicht verborgene Dimension von Luises Wesen hin. Er beobachtet sie „heimlich“ und sieht „in ahnungsvollem Scheine“ über ihrem „Scheitels Reine“ einen „sel’gen Stern, der seiner Stunde harrt.“ Dieser Abschnitt deutet auf eine Vorahnung des Todes hin, ein Wissen um das nahende Ende. Der Dichter scheint in Luise eine Aura der Vorbestimmung zu erkennen, als ob sie bereits Teil eines größeren, himmlischen Plans wäre. Dieser Kontrast zwischen der äußeren Fröhlichkeit und der stillen Ahnung des Todes verleiht dem Gedicht eine melancholische Tiefe.

Der plötzliche Übergang in den letzten Versen, „Nun ist’s geschehn!“, markiert den Tod Luises. Der Dichter beschreibt ihren Blick als „verklärt“, und sie lächelt „von ihres Lebens Gipfel“. Dies deutet auf eine Transzendenz des Todes hin, eine Verklärung des Lebens. Der Tod wird nicht als Verlust oder Tragödie, sondern als Erfüllung eines himmlischen Schicksals dargestellt. Der letzte Vers, „Denn jäh erfüllen sich die himmlischen Geschicke“, unterstreicht die Idee, dass Luises Tod im Einklang mit einem höheren Plan geschah.

Insgesamt ist das Gedicht eine bewegende Reflexion über Leben und Tod, Freundschaft und Vergänglichkeit. Es feiert das Leben Luises und tröstet gleichzeitig über ihren Verlust. Durch die Gegenüberstellung von Freude und Melancholie, von irdischer Gegenwart und himmlischer Vorbestimmung, schafft Mörike ein tiefgründiges und tröstliches Bild des Todes als Teil eines umfassenderen, vielleicht sogar glorreichen, Planes. Die Verwendung von Bildern des Lichts und der Verklärung verleiht dem Gedicht eine feierliche und erhebende Atmosphäre.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.