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An + + +

Von

Ach! so fühlst du ihn denn auch
Diesen Glanz, so keusch und milde
Wie des Schöpfers Lebenshauch
Auf dem ersten Ebenbilde.

Also hob im ersten Tau,
Wie ein Kind im Heiligtume,
Auf des Paradieses Au
Still ihr Haupt die erste Blume.

Ach! dies ist kein irdscher Glanz,
Unerneuert, unverloren,
Ewig aus dem Lichte ganz
Vor der Sünde ausgeboren.

Dieses Weiß und dieses Rot
Ist noch nie gerichtet worden,
Keine Sünde und kein Tod
Kann je dieses Leben morden.

Nie erröten wird dies Weiß,
Dieses Rot wird nie erbleichen,
Denn in diesen Farbenkreis
Kann nicht Scham, nicht Schrecken reichen.

Aus dem Himmelgarten sind
Diese tiefen Blumenfarben,
Die zum Kranz das fromme Kind
Nahm aus reifer Ähren Garben.

Diese Anmut ist kein Schein,
Ist auch nicht der Glanz der Jugend;
Nichts vermag so schön zu sein,
Als der ewge Glanz der Tugend.

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Gedicht: An + + + von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An + + +“ von Clemens Brentano ist eine Liebeserklärung und eine Huldigung an die Tugend, die in der dargestellten Person verkörpert wird. Es bedient sich einer reichen Bildsprache, um die Reinheit, Unschuld und ewige Schönheit der Geliebten zu beschreiben und diese in einem göttlichen Kontext zu verorten. Die Verwendung von Begriffen wie „Schöpfer“, „Paradies“, „Heiligtum“ und „Himmelgarten“ deutet auf eine transzendente, überirdische Qualität der beschriebenen Person und ihrer Tugend hin.

Das Gedicht strukturiert sich in Strophen, die jeweils ein bestimmtes Merkmal der Geliebten hervorheben. Zunächst wird ihr „Glanz“ beschrieben, der als „keusch und milde“ mit dem „Lebenshauch“ des Schöpfers verglichen wird, was ihre Göttlichkeit andeutet. Anschließend wird sie mit einer Blume im Paradies verglichen, die ihre Reinheit und Unschuld unterstreicht. Die folgenden Strophen betonen die Ewigkeit und Unvergänglichkeit dieser Tugend, indem sie besagt, dass weder Sünde noch Tod sie zerstören können. Das Weiß und Rot der Geliebten werden als unberührt von Scham und Schrecken beschrieben, was ihre makellose Natur weiter verdeutlicht.

Die Metaphorik spielt eine zentrale Rolle im Gedicht. Die Blume symbolisiert Reinheit und Unschuld, während die Farben Weiß und Rot für Unschuld und Liebe oder Leidenschaft stehen, die hier in vollkommener Harmonie existieren. Der „Himmelgarten“ und die „Ähren Garben“ weisen auf eine göttliche Herkunft der Tugend hin und deuten darauf, dass diese nicht von der Welt, sondern von einer höheren Macht stammt. Der letzte Vers, der die Tugend als den „ewgen Glanz“ bezeichnet, fasst die Kernaussage des Gedichts zusammen: wahre Schönheit ist die Tugend, die ewig währt und allen irdischen Einflüssen widersteht.

Brentano verwendet einen lyrischen, leicht erhabenen Ton, der durch die Verwendung von Reimen und einer gehobenen Sprache unterstrichen wird. Die Form des Gedichts mit ihren regelmäßigen Strophen und dem durchgehenden Reimschema trägt zur Harmonie und dem feierlichen Charakter des Gedichts bei. Die wiederholte Betonung von „Ach!“ am Anfang der Strophen verstärkt den emotionalen Ausdruck und die Bewunderung des Sprechers für die Geliebte. Das Gedicht ist somit nicht nur eine Liebeserklärung, sondern auch eine Lobpreisung der Tugend als Quelle wahrer und ewiger Schönheit.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.