Somne levis! quanquam certissima mortis imago, Consortem cupio te tamen esse tori.Alma quies, optata, veni! nam sic sine vita Vivere, quam suave est, sic sine morte mori! MeibomSchlaf! süßer Schlaf! obwohl dem Tod wie du nichts gleicht,Auf diesem Lager doch willkommen heiß ich dich!Denn ohne Leben so, wie lieblich lebt es sich!So weit vom Sterben, ach, wie stirbt es sich so leicht!
An den Schlaf
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „An den Schlaf“ von Eduard Mörike ist eine zutiefst kontemplative Auseinandersetzung mit dem Wesen des Schlafs und seiner Beziehung zum Tod. Der Autor beginnt mit einem Zitat aus dem Lateinischen, das die Nähe des Schlafs zum Tod hervorhebt, ihn aber gleichzeitig als eine begehrenswerte Erfahrung darstellt. Dies verdeutlicht das zentrale Paradox des Gedichts: Der Schlaf ist eine „certissima mortis imago“, ein sicheres Abbild des Todes, wird aber dennoch als Partner für das Bett ersehnt.
Die Verwendung des lateinischen Zitats und die anschließende deutsche Übersetzung schaffen eine Brücke zwischen der Gelehrsamkeit des Autors und der Universalität der menschlichen Erfahrung. Mörike wünscht sich „alma quies“, die „gnädige Ruhe“ des Schlafs, und betont die paradoxe Natur dieses Zustands. Das Leben ohne das Leben, also der Schlaf, wird als lieblich, angenehm beschrieben. Der Schlaf entfernt den Menschen vom Sterben, lässt ihn aber gleichzeitig in einer Welt existieren, die dem Tod gleicht.
Das Gedicht spielt mit der Vergänglichkeit und dem Wunsch nach Ruhe und Frieden. Die Zeile „So weit vom Sterben, ach, wie stirbt es sich so leicht!“ drückt eine doppelte Sehnsucht aus: die nach Distanz zum Sterben, also dem Leben, und gleichzeitig nach einer leichten, mühelosen Form des Sterbens im Schlaf. Diese Zeile deutet auf die Sehnsucht nach einem Zustand, der sowohl das Leben als auch den Tod transzendiert, eine Art Schwebezustand, in dem die Sorgen und Qualen des Lebens vergessen werden können.
Insgesamt ist „An den Schlaf“ ein elegisches Gedicht, das die Schönheit und Trost des Schlafs im Angesicht der Unvermeidlichkeit des Todes feiert. Es reflektiert über die Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und dem Wunsch, der harten Realität des Lebens zu entfliehen, auch wenn dies bedeutet, dem Tod nahe zu sein. Die Kürze und Prägnanz des Gedichts verstärken seine Wirkung, indem sie die Leser dazu anregen, über die tiefe Beziehung zwischen Schlaf und Tod nachzudenken.
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