An den Vater meines Patchens
1867Der Knabe, der zehn Jahre später dir ein FreundUnd lange Zeit ein täglicher Genosse war,Daheim noch lebt’ er in des lieben Vaters Haus,Mit blühenden Geschwistern selbst ein blühender:Sieh, diesen Säbel zur HusarenuniformTrug er durch Hof und Garten und Alleen der Stadt.Das schöne Kleid (du sahst wohl noch ein Stück davon,Scharlachen, fein, mit Silberschnörkelwerk besetzt),Ist längst dahin samt alle seinem Zubehör,Bis auf dies Eisen, dem getreu die Scheide blieb.Wem laß ich nun die Waffe? Billig spart ich sieDem eignen Sohn; er bleibt nur gar zu lange aus!Am Ende, fürcht ich ernstlich, kommt er nimmermehr;Sah ich doch selbst die Mutter bis zur Stunde nicht!Kurzum denn, Alter, deinem Erstgeborenen,Dem deine Bruderliebe meinen Namen lieh,Häng ich den Säbel, bis er ihn gebrauchen kann,Am Nagel übers Bettchen, ihm zu Häupten, auf,Unblutig Spielzeug, das von schöner Jugend weißUnd deinem Knaben keine bösen Träume schafft.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An den Vater meines Patchens" von Eduard Mörike erzählt von einer tiefen Freundschaft und Verbundenheit zwischen dem Dichter und dem Vater seines Patenkindes. Der Knabe, der später ein Freund und täglicher Begleiter des Vaters wurde, lebte einst in dessen Haus und teilte eine blühende Kindheit mit Geschwistern. Ein besonderes Erinnerungsstück aus dieser Zeit ist ein Säbel, der einst Teil einer Husarenuniform war und durch Hof, Garten und Alleen der Stadt getragen wurde. Das Kleid, das dazu gehörte, ist längst verschwunden, nur der Säbel und seine Scheide blieben erhalten. Der Dichter überlegt, wem er den Säbel nun schenken soll. Ursprünglich dachte er daran, ihn seinem eigenen Sohn zu überlassen, doch dieser bleibt aus. Die Sorge, dass der Sohn vielleicht nie kommen wird, wird durch die Erfahrung verstärkt, dass selbst die Mutter des Dichters bis zur Stunde nicht gesehen wurde. Daher entscheidet sich der Dichter, den Säbel dem erstgeborenen Sohn des Paten zu schenken, der den Namen des Dichters trägt. Der Säbel wird als ein Symbol der schönen Jugend und Freundschaft an den Nagel über dem Bettchen des Kindes gehängt. Der Säbel dient als ein unblutiges Spielzeug, das Erinnerungen an die Jugend bewahrt und dem Kind keine bösen Träume bringt. Er symbolisiert die Hoffnung und den Wunsch, dass das Kind eine glückliche und unbeschwerte Kindheit erleben möge. Das Gedicht vermittelt eine tiefe emotionale Verbundenheit und den Wunsch, die Freundschaft und die schönen Erinnerungen an die nächste Generation weiterzugeben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Am Nagel übers Bettchen, ihm zu Häupten, auf
- Hyperbel
- Bis auf dies Eisen, dem getreu die Scheide blieb
- Metapher
- blutig Spielzeug, das von schöner Jugend weiß
- Personifikation
- dem deine Bruderliebe meinen Namen lieh