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Wie du sollst in Schönheit wallen…

Von

Wie du sollst in Schönheit wallen
Und dem Herrn doch wohlgefallen?
Frag die Wiesenblümelein
Die nicht ihrer Schönheit denken,
Sich der Sonne heben, senken,
Einsam duften und allein,
Wo sie sproßten, in dem Garten
Ruhig auch den Tod erwarten
Ihrer Schönheit ewgen Samen
Gottes Lüften gern vertrauen
Freudig sterben und nicht schauen
Wo der Herr sie aus will säen in Gottes Namen.
Nichts vergehet, nichts entstehet
Alles ist unendlich da
Doch die armen Augen taugen
Nur den Tod zu sehn.
Dichter, du sollst eingestehn,
Daß die Rose, die verblichen
Du der Sterblichkeit verglichen,
Eh sie war, und da sie glühte,
Und nachdem sie längst verblühte,
Daß die Rose eh und je
Die ich hier erblassen seh,
Ewiglich in Gott florieret
Und wer dieses recht verstehet
Triumphieret:
Nichts vergehet, nichts entstehet,
Alles ist unendlich da!

28. Febr. 1815
im letzten Jahr der Poesie
und im ersten und schlechtesten der Architektur.

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Gedicht: Wie du sollst in Schönheit wallen... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Wie du sollst in Schönheit wallen…“ von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Reflexion über Schönheit, Sterblichkeit, Ewigkeit und die Beziehung des Menschen zu Gott. Es entwirft ein Bild von Schönheit, die nicht im äußeren Schein, sondern in der Hingabe an das Göttliche und im Wissen um die Ewigkeit begründet ist. Der Autor nutzt dabei eine Reihe von Bildern, um diese komplexen Ideen zu vermitteln.

Das Gedicht beginnt mit einer Frage, die den Leser direkt anspricht: „Wie du sollst in Schönheit wallen / Und dem Herrn doch wohlgefallen?“ Die Antwort wird durch die Metapher der Wiesenblumen gegeben. Diese Blumen, die sich unaufdringlich der Sonne zuwenden und in ihrem stillen Duften und Sterben ein Vorbild darstellen, leben in Harmonie mit Gottes Plan. Sie denken nicht über ihre eigene Schönheit nach, sondern folgen ihrem natürlichen Lauf, der sowohl Leben als auch Tod einschließt. Ihre Schönheit ist in ihrer Hingabe an die Schöpfung und in der Erwartung des Todes und des ewigen Samen begründet, der Gottes Lüften anvertraut wird.

Der zweite Teil des Gedichts wendet sich direkt an den Dichter und fordert ihn auf, die wahre Natur der Rose zu verstehen. Die Rose, Symbol für Schönheit und Vergänglichkeit, wird nicht nur während ihrer Blüte, sondern auch in ihrem Verblassen und in ihrer ewigen Existenz in Gott betrachtet. Die Zeilen „Nichts vergehet, nichts entstehet, / Alles ist unendlich da!“ sind der Kern der Botschaft: Vergänglichkeit ist nur eine Illusion, da alles in Gottes Ewigkeit fortbesteht. Wer diese Wahrheit erfasst, kann triumphieren, sich von der Furcht vor dem Tod befreien und die wahre Schönheit erkennen.

Das Gedicht ist in einer sehr einfachen Sprache geschrieben, was ihm eine große Direktheit und Zugänglichkeit verleiht. Die Reimstruktur und die Verwendung von Bildern wie den Wiesenblumen und der Rose verstärken die meditative Qualität des Gedichts. Die Anmerkung am Ende – „28. Febr. 1815 im letzten Jahr der Poesie und im ersten und schlechtesten der Architektur“ – ist eine ironische Selbstreflexion des Dichters. Sie deutet auf einen Wandel im Leben Brentanos hin, der möglicherweise die Suche nach tieferen, spirituellen Wahrheiten widerspiegelt. Das Gedicht ist somit eine Aufforderung an den Leser, die Vergänglichkeit des irdischen Daseins zu überwinden und sich der ewigen Schönheit Gottes zu nähern.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.