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Wenn die Sonne weggegangen

Von

Wenn die Sonne weggegangen,
Kömmt die Dunkelheit heran,
Abendroth hat goldne Wangen,
Und die Nacht hat Trauer an.

Seit die Liebe weggegangen,
Bin ich nun ein Mohrenkind,
Und die rothen, frohen Wangen,
Dunkel und verschlossen sind.

Dunkelheit muß tief verschweigen,
Alles Wehe, alle Lust,
Aber Mond und Sterne zeigen,
Was ihr wohnet in der Brust.

Wenn die Lippen dir verschweigen
Meines Herzens stille Gluth
Müssen Blicke und Thränen zeigen,
Wie die Liebe immer ruht.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Wenn die Sonne weggegangen von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Wenn die Sonne weggegangen“ von Clemens Brentano ist eine melancholische Betrachtung über den Verlust der Liebe und dessen Auswirkungen auf das eigene Innenleben. Die Dichtung bedient sich starker Bilder der Natur, um die emotionalen Zustände des lyrischen Ichs zu veranschaulichen. Der Weggang der Sonne, der Beginn der Dunkelheit, das Abendrot mit goldenen Wangen, die Trauer der Nacht – all diese Metaphern spiegeln die innere Leere, die Traurigkeit und die Veränderung wider, die der Verlust der Liebe mit sich bringt. Die Natur dient hier als Spiegel der Seele, wobei die Übergänge von Licht zu Dunkelheit, von Freude zu Trauer, die Transformation des eigenen Zustands widerspiegeln.

Das lyrische Ich vergleicht sich selbst mit einem „Mohrenkind“, einem Kind mit dunkler Hautfarbe, was auf eine Veränderung der Wahrnehmung seiner selbst hindeutet. Die einst „rothen, frohen Wangen“ sind nun „dunkel und verschlossen“. Diese Metapher verdeutlicht, wie die Liebe Freude und Lebendigkeit brachte, die nun durch Trauer und Verschlossenheit ersetzt wurden. Der Verlust hat das Ich verändert, es von innen heraus verdunkelt und seine Lebensfreude ausgelöscht. Die Metaphern in diesem Teil des Gedichts verdeutlichen die tiefe Verzweiflung und den Schmerz, der durch den Verlust der Liebe ausgelöst wurde.

Der dritte Teil des Gedichts führt die Metaphern der Nacht weiter, um die Geheimnisse und die Tiefe der Emotionen zu beschreiben. Die Dunkelheit soll „alles Wehe, alle Lust“ verschweigen, während Mond und Sterne die wahren Gefühle offenbaren, die in der Brust wohnen. Hier wird die Hoffnung auf einen Ausdruck der Gefühle angedeutet, auch wenn die Lippen schweigen. Die Sterne und der Mond, die als Beobachter fungieren, symbolisieren die Möglichkeit, die innere Wahrheit – die tiefe Liebe, die im Herzen weiterlebt – durch andere Mittel auszudrücken.

Im letzten Abschnitt wendet sich das Gedicht direkt an die geliebte Person und betont die Unausweichlichkeit der Liebe, die auch in der Stille weiterlebt. Wenn die Lippen die Liebe nicht aussprechen, dann müssen Blicke und Tränen, die nonverbalen Ausdrucksformen der Emotionen, dies tun. „Wie die Liebe immer ruht“ deutet auf die dauerhafte Präsenz der Liebe im Herzen hin, trotz der äußeren Umstände. Die Schlusszeilen sind eine Bekräftigung der anhaltenden Verbundenheit und des Andenkens an die Liebe, die auch im Stillen weiterbesteht. Die Interpretation zeigt eine tiefe emotionale Verbundenheit und eine poetische Verarbeitung des Verlusts.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.