Wenn der lahme Weber träumt, er webe...
1838Wenn der lahme Weber träumt, er webe, Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe, Träumt die stumme Nachtigall, sie singe, Daß das Herz des Widerhalls zerspringe, Träumt das blinde Huhn, es zähl′ die Kerne, Und der drei je zählte kaum, die Sterne, Träumt das starre Erz, gar linde tau′ es, Und das Eisenherz, ein Kind vertrau′ es, Träumt die taube Nüchternheit, sie lausche, Wie der Traube Schüchternheit berausche; Kömmt dann Wahrheit mutternackt gelaufen, Führt der hellen Töne Glanzgefunkel Und der grellen Lichter Tanz durchs Dunkel, Rennt den Traum sie schmerzlich übern Haufen, Horch! die Fackel lacht, horch! Schmerz-Schalmeien Der erwachten Nacht ins Herz all schreien; Weh, ohn Opfer gehn die süßen Wunder, Gehn die armen Herzen einsam unter!
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Interpretation
Das Gedicht "Wenn der lahme Weber träumt, er webe" von Clemens Brentano ist eine poetische Reflexion über die Macht der Träume und die Enttäuschung, die eintritt, wenn die Realität diese Träume zerstört. Der erste Teil des Gedichts beschreibt verschiedene Szenarien, in denen Menschen und Dinge träumen, die in ihrer Realität eingeschränkt sind. Der lahme Weber träumt, er webe, die kranke Lerche träumt, sie schwebe, und die stumme Nachtigall träumt, sie singe. Diese Träume sind so intensiv, dass sie sogar den Widerhall zum Zerspringen bringen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Realität eingeführt, die diese Träume zunichte macht. Die Wahrheit kommt "mutternackt gelaufen" und führt den "Glanzgefunkel" und den "Tanz durchs Dunkel" der hellen Töne und grellen Lichter. Die Träume werden "schmerzlich übern Haufen" gerannt, und die erwachte Nacht schreit ins Herz mit "Schmerz-Schalmeien". Die süßen Wunder gehen ohne Opfer, und die armen Herzen gehen einsam unter. Dies deutet darauf hin, dass die Realität oft hart und enttäuschend ist und dass Träume, obwohl sie schön und erhebend sein können, oft zerbrechlich sind und leicht von der Realität zerstört werden können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wenn der lahme Weber träumt, er webe, Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe, Träumt die stumme Nachtigall, sie singe, Daß das Herz des Widerhals zerspringe, Träumt das blinde Huhn, es zähl′ die Kerne, Und der drei je zählte kaum, die Sterne, Träumt das starre Erz, gar linde tau′ es, Und das Eisenherz, ein Kind vertrau′ es, Träumt die taube Nüchternheit, sie lausche, Wie der Traube Schüchternheit berausche;
- Hyperbel
- daß das Herz des Widerhals zerspringe
- Metapher
- daß das Herz des Widerhals zerspringe
- Personifikation
- Träumt das starre Erz, gar linde tau′ es, Und das Eisenherz, ein Kind vertrau′ es