Sonne willst du untergehen…
Sonne willst du untergehen
O so schicke erst die Sterne
Daß die Nacht mich nicht bezwinge
Wenn ich ihr die Botschaft bringe
Wiedersehen, Wiedersehen
Ist nicht ferne.
Still beschauet mich ihr Bäume
Und ihr weißen Marmorbilder
Und ihr Quellen, lustge Bronnen,
Bald ist euch der Freund entronnen
Sinket nieder grünen Räume
Tauet milder.
Sonne bist du untergangen
O so schicke bald die Sterne
Daß die Nacht mich zu ihr bringe
Daß ich ihr die Botschaft singe
Wie verlangen und erlangen
Nicht mehr ferne.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Sonne willst du untergehen“ von Clemens Brentano ist ein inniger Ausdruck von Sehnsucht und Hoffnung, eingebettet in eine Naturkulisse, die die Gefühle des lyrischen Ichs widerspiegelt. Der Titel und die erste Strophe etablieren sofort das zentrale Thema: das Warten auf die Nacht, die die Möglichkeit des Wiedersehens birgt. Der Wunsch, dass die Sterne erscheinen sollen, bevor die Sonne untergeht, zeigt die Ungeduld und die tiefe Sehnsucht nach der geliebten Person, deren Nähe als die Erfüllung des Daseins gesehen wird. Die Verwendung des Wortes „Wiedersehen“ als Refrain verstärkt die Bedeutung dieses Moments und macht ihn zum Kern der emotionalen Landschaft des Gedichts.
Die zweite Strophe erweitert die Szenerie und bezieht die Natur als stille Zeugin der Sehnsucht mit ein. Die Bäume, die Marmorbilder und die Quellen werden als Beobachter angesprochen und dazu aufgerufen, die bevorstehende Trennung vom Freund zu bezeugen. Diese Ansprache an die Elemente der Natur verleiht dem Gedicht eine romantische Note und betont die Tiefe des emotionalen Ausdrucks. Das Flehen um „milder“ Tau verdeutlicht den Wunsch nach Trost und Sanftheit in Anbetracht des bevorstehenden Abschieds. Die Natur wird hier nicht nur als Kulisse, sondern als aktiver Teilnehmer an dem emotionalen Geschehen dargestellt.
Die dritte Strophe wiederholt die Sehnsucht aus der ersten, aber mit einer verstärkten Intensität. Die Wiederholung der Bitte nach den Sternen, die nun mit der Absicht des lyrischen Ichs verbunden ist, der geliebten Person eine Botschaft zu überbringen, unterstreicht die Dringlichkeit und das Verlangen. Die Zeilen „Daß ich ihr die Botschaft singe / Wie verlangen und erlangen / Nicht mehr ferne“ zeigen, dass die Sehnsucht durch die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen gelindert wird. Das lyrische Ich scheint nicht nur das Wiedersehen zu ersehnen, sondern auch die Möglichkeit, seine Gefühle auszudrücken und die Gewissheit zu erhalten, dass das ersehnte Glück nahe ist.
Insgesamt ist das Gedicht ein berührender Ausdruck romantischer Sehnsucht, der durch die Verbindung von Natur und menschlichen Gefühlen verstärkt wird. Die einfache Sprache und die wiederholten Verse erzeugen einen Sog, der den Leser in die emotionale Welt des lyrischen Ichs hineinzieht. Die Verwendung von Naturmotiven wie Sonne, Sterne, Bäume und Quellen verleiht dem Gedicht eine zeitlose Qualität und macht es zu einem universellen Ausdruck der Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.