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Die Erde war gestorben…

Von

Die Erde war gestorben
Ich lebte ganz allein,
Die Sonne war verdorben,
Zwei Augen gaben Schein,

Da bot sie mir zu trinken
Und blickte mich nicht an,
Sie ließ die Augen sinken,
Es war um mich getan.

Reg Frühling nur die Schwingen
Sehn nur, du Erde, dich,
Ich kann nichts anders singen,
Als, Jesus schau auf mich.

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Gedicht: Die Erde war gestorben... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Erde war gestorben…“ von Clemens Brentano ist eine melancholische Betrachtung über Verlust, Isolation und die Suche nach Erlösung. Es präsentiert eine apokalyptische Szenerie, in der die Welt – repräsentiert durch die Erde – gestorben ist, und der Sprecher sich in einer öden Umgebung wiederfindet. Die Anfangsverse etablieren eine Atmosphäre der Verlassenheit und Hoffnungslosigkeit, verstärkt durch das Bild der verdorbenen Sonne, die jegliches Leben auszulöschen scheint. Die beiden Augen, die „Schein“ geben, werden somit zu einem Kontrastpunkt und bieten eine letzte Spur von Leben in der trostlosen Umgebung.

Inmitten dieser Düsternis ereignet sich eine entscheidende Begegnung. Die Person, deren Augen dem Sprecher Licht gaben, bietet ihm etwas zu trinken und vermeidet dabei Blickkontakt. Diese Geste könnte als Geste der Fürsorge oder aber auch als Ausdruck einer Distanz interpretiert werden. Unabhängig davon, löst sie beim Sprecher eine tiefe emotionale Reaktion aus: „Es war um mich getan.“ Diese Zeile deutet auf eine überwältigende Erfahrung hin, die das Schicksal des Sprechers besiegelt. Die Dunkelheit der Welt und die verletzliche Geste der anderen Person vereinen sich zu einem Moment der völligen Hingabe und des Untergangs.

Der abschließende Vers „Reg Frühling nur die Schwingen…“ lenkt den Fokus auf die Hoffnung und das Gebet. Die Bitte an die Erde, sich wieder zu erheben und den Frühling zu sehen, offenbart den Wunsch nach Erneuerung und Wiedergeburt. Doch die nachfolgende Zeile „Ich kann nichts anders singen…“ drückt die Unfähigkeit aus, sich von der eigenen Verzweiflung zu lösen. Der letzte Vers, „Als, Jesus schau auf mich,“ ist ein direkter Appell an Jesus, ein Hilferuf und ein Ausdruck des Glaubens, der als einziger Ausweg aus der Not erscheint.

Brentanos Gedicht ist somit eine tiefgründige Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen. Es zeigt die menschliche Erfahrung von Verlust, Einsamkeit und der Suche nach Sinn in einer Welt, die dem Untergang geweiht scheint. Die flüchtige Begegnung und die anschließende Gebetsformel stellen die Dualität von Verzweiflung und Hoffnung dar. Das Gedicht lässt den Leser mit einem Gefühl der Melancholie zurück, während es gleichzeitig eine Botschaft des Trostes durch den Glauben vermittelt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.