Bestellte Poesie
1798Bleib nur stille, Gottes Wille Hat auch dich ja ausersehn, Alle Armut, alle Fülle Wird auch dir vorübergehn.
Bleib nur innig Treu und sinnig, Wie dich auch der Engel grüßt, Spreche: Deine Magd, Herr! bin ich, Die dir nie ihr Herz verschließt.
Bleib nur heiter, Blick nicht weiter Als zum Hirten, der dich führt. Sorge bricht die Himmelsleiter, Weil sie aus der Erde rührt.
Bleib vertrauend Aufwärts schauend, Nimm nur fremde Not ans Herz, Und auf die Verheißung bauend Trag die Erde himmelwärts.
Bleib nur selig, Ach allmählich Wird die Nacht vorüber gehn, Denk, nur wenge Stunden zähl ich, Schlafengehn wird Auferstehn.
Bleib nur liebend, Wenn betrübend Alles Leben treulos scheint, Stirb du, allen Liebe übend, Dann stirbst du dem Herrn vereint.
Bleib in Frieden, Ungeschieden, Eng getraut dem einzgen Gut, Der die Arm′ ausstreckt hienieden, Bis Süßlieb am Herz ihm ruht.
Bleib nur betend, Wenig redend, Sorge für dein Gartenbeet, Säend, pflanzend, stützend, jätend, Bis es reif zur Ernte steht.
Bleib nur kindlich, Unverbindlich Dieser lügenvollen Welt, Einem nur unüberwindlich Wirk dein Herz ins Siegsgezelt.
Bleib nur leise, In dem Gleise, Wird zum Ernste einst das Spiel Und die wirre, bunte Reise Tritt zum lichtgeschmückten Ziel.
Bleib nicht, allen Zu gefallen, Wählend auf dem Scheideweg, Ob links?, rechts? zum Traum zu wallen? Segnend dich zur Seite leg.
Bleib nur hüpfend Und entschlüpfend, Allen ab- und zugewandt, Alle Schleifen hier verknüpfend Führen nicht ins Vaterland.
Bleib lebendig, Ganz abwendig Werd mir nie, o sei mir fromm, Mit dir leb ich, mit dir end ich - Fleh! daß uns sein Reich zukomm!
Bleib demütig! Einstens blüht ich, War doch nie so froh wie du, Arm war ich und übermütig, Gott und du ihr sah′t mir zu!
Bleib geduldig, Denn ich huldig′ Aller Huld allein in dir, Strafe, lohn′? was all verschuld ich? Gib stumm Kind, ach gib es mir!
Bleib, wie üblich, Fein und lieblich, Zäh und kraus, das arme Kind, Dessen Fesseln, nie verschieblich, Nimmer ich mein Herz entwind.
Bleib nicht länger Aus, denn enger, Immer enger, wird die Brust Deinem armen kranken Sänger - Dessen Herz du stimmen mußt.
Bleib nur bleibend, Blüten treibend, Bis der Herr zur Ernte geht, Für mich Ärmsten dieses schreibend, Opfre Früchte im Gebet!
Bleib das süße Ziel der Grüße, Grüß dich Gott viel tausendmal, Auf dem Baum im Paradiese Liebste Frau von Nachtigall!
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Interpretation
Das Gedicht "Bestellte Poesie" von Clemens Brentano ist ein lyrischer Appell an die Geliebte, in verschiedenen Lebenslagen und Gemütszuständen standhaft zu bleiben und sich treu zu sein. Der lyrische Ich-Autor gibt der Geliebten Ratschläge und Ermahnungen, wie sie sich in verschiedenen Situationen verhalten soll, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Das Gedicht ist in 17 Strophen unterteilt, die jeweils mit der Aufforderung "Bleib nur..." beginnen. In jeder Strophe wird ein bestimmter Aspekt des Lebens und der Liebe thematisiert, wie zum Beispiel Demut, Geduld, Sanftmut oder Lebendigkeit. Der Autor ermutigt die Geliebte, in diesen Eigenschaften zu verharren und sich nicht von äußeren Einflüssen oder Zweifeln abbringen zu lassen. Die letzte Strophe des Gedichts bildet einen liebevollen Abschluss und eine Huldigung an die Geliebte. Der Autor wünscht ihr alles Gute und segnet sie mit einem herzlichen Gruß. Er vergleicht sie mit der "Liebsten Frau von Nachtigall" im Paradies, was ihre Schönheit und ihren Wert unterstreicht. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Treue, Standhaftigkeit und Liebe, die den Leser dazu ermutigen soll, in allen Lebenslagen positiv und hoffnungsvoll zu bleiben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allegorie
- Die 'Erde' als Symbol für die irdische Welt
- Anapher
- Die Wiederholung des Wortes 'Bleib' am Anfang mehrerer Verse
- Hyperbel
- Die Wiederholung von 'Bleib' am Anfang vieler Verse
- Metapher
- Der 'Baum' als Symbol für das Leben oder die Seele
- Personifikation
- Die Erde 'rührt' die Himmelsleiter
- Symbolik
- Der 'Hirten' als Symbol für den Führer oder Beschützer