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Liebeslied (Hui über drei Oktaven)

Von

Hui über drei Oktaven
Glissando unsre Lust.
Laß mich noch einmal schlafen
An deiner Brust.

Fern schleicht der Morgen sachte,
Kein Hahn, kein Köter kläfft.
Du brauchst doch erst um achte
Ins Geschäft.

Laß die Matratze knarren!
Nach hinten schläft der Wirt.
Wie deine Augen starren!
Dein Atem girrt!

Um deine Stirn der Morgen
Flicht einen bleichen Kranz.
Du ruhst in ihm geborgen
Als eine Heilige und Jungfrau ganz.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Liebeslied (Hui über drei Oktaven) von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Liebeslied (Hui über drei Oktaven)“ von Klabund ist eine intime und sinnliche Momentaufnahme der Liebe, die sich in der Morgenstille entfaltet. Das Gedicht konzentriert sich auf die körperliche Nähe und das sinnliche Erleben zweier Liebender im Moment des Erwachens. Die Verwendung von musikalischen Begriffen wie „Hui“ und „Glissando“ deutet auf eine Leichtigkeit und spielerische Freude hin, die das Liebeserlebnis begleitet.

Die ersten beiden Strophen beschreiben die körperliche Nähe und das Verlangen nach mehr Intimität. Der Wunsch, „noch einmal zu schlafen / An deiner Brust“ drückt eine Sehnsucht nach Geborgenheit und ungestörter Zweisamkeit aus. Die Erwähnung des nahenden Morgens, des Hahns und des Köters, sowie des Arbeitsalltags („Ins Geschäft“) erzeugt einen Kontrast zwischen dem intimen, privaten Raum und der Außenwelt. Die Liebenden scheinen die Zeit anzuhalten, sich dem Genuss hinzugeben und die Welt für einen Moment zu vergessen.

Die dritte Strophe verstärkt die Intensität des Erlebens. Das „Knarren“ der Matratze, das „Starren“ der Augen und das „Girren“ des Atems sind Ausdruck der körperlichen Leidenschaft und des intensiven Verbundenseins. Der Hinweis auf den schlafenden Wirt unterstreicht die Abgeschiedenheit und das Gefühl, von der Außenwelt ungestört zu sein. Die Sprache ist direkt und sinnlich, sie fängt die unmittelbare Erfahrung der Liebe ein.

In der letzten Strophe wird das Gedicht poetischer und verklärt das Bild der Geliebten. Der Morgen, der zuvor als Störfaktor wahrgenommen wurde, wird nun als Element der Verklärung dargestellt, der einen „bleichen Kranz“ um die Stirn der Geliebten flicht. Die Liebende wird als „Heilige und Jungfrau ganz“ beschrieben, was eine erotische Aufladung mit einer spirituellen Komponente verbindet. Klabunds Gedicht feiert somit die Liebe in ihrer körperlichen und emotionalen Tiefe, indem er die sinnliche Erfahrung mit einer ästhetischen Verklärung verbindet.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.