Gute Nacht
Die Höhn und Wälder schon steigen
Immer tiefer ins Abendgold,
Ein Vöglein fragt in den Zweigen:
Ob es Liebchen grüßen sollt?
O Vöglein, du hast dich betrogen,
Sie wohnet nicht mehr im Tal,
Schwing auf dich zum Himmelsbogen,
Grüß sie droben zum letztenmal!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Gute Nacht“ von Joseph von Eichendorff ist eine kurze, melancholische Szene, die von Abschied und Verlust durchzogen ist. Es entwirft ein Bild von einer Abendstimmung, in der die Natur und insbesondere ein Vogel als Bote der Sehnsucht dienen. Die sanfte Melancholie und die einfache Sprache, die Eichendorff verwendet, erzeugen eine tiefe Wirkung, die über die bloße Beschreibung der Natur hinausgeht.
Der erste Versabschnitt etabliert die Atmosphäre des Abends. „Die Höhn und Wälder schon steigen / Immer tiefer ins Abendgold“ deutet auf den Einbruch der Dunkelheit und die allmähliche Verwandlung der Landschaft im goldenen Licht der untergehenden Sonne hin. Das Bild des Vögleins, das in den Zweigen fragt, ob es die Geliebte grüßen soll, verleiht der Szene eine menschliche Dimension. Das Vöglein wird zum stellvertretenden Träger der Sehnsucht, die in der Frage zum Ausdruck kommt. Es ist die Frage nach der Liebe, die im Gedicht im Zentrum steht.
Der zweite Abschnitt des Gedichts nimmt die Frage des Vogels auf und gibt eine Antwort, die von Trauer und Abschied geprägt ist. „O Vöglein, du hast dich betrogen, / Sie wohnet nicht mehr im Tal“ deutet auf eine Trennung hin. Die Geliebte ist nicht mehr im Tal, ihrem gewohnten Aufenthaltsort. Diese Aussage deutet auf einen Verlust, sei es durch Tod, Trennung oder Entfernung hin, hin. Die Aufforderung „Schwing auf dich zum Himmelsbogen, / Grüß sie droben zum letztenmal!“ verstärkt die Endgültigkeit des Abschieds. Der Himmel wird zum Ort der Geliebten, und der Gruß des Vogels zum letzten Abschiedsgruß.
Eichendorffs „Gute Nacht“ ist somit ein kleines Meisterwerk der romantischen Lyrik. Es vermischt die Naturbilder mit menschlichen Emotionen. Die Verwendung des Vogels als Bote, die einfache Sprache und die melancholische Stimmung erzeugen eine universelle Botschaft vom Abschied, Verlust und der Ewigkeit. Das Gedicht lässt Raum für eigene Interpretationen und lädt den Leser ein, sich in die stille Traurigkeit der Abendstimmung hineinzuversetzen.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.