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Entschluss

Von

Gebannt im stillen Kreise sanfter Hügel,
Schlingt sich ein Strom von ewig gleichen Tagen,
Da mag die Brust nicht nach der Ferne fragen,
Und lächelnd senkt die Sehnsucht ihre Flügel.

Viel andre stehen kühn im Rossesbügel,
Des Lebens höchste Güte zu erjagen,
Und was sie wünschen, müssen sie erst wagen,
Ein strenger Geist regiert des Rosses Zügel. –

Was singt ihr lockend so, ihr stillen Matten,
Du Heimat mit den Regenbogenbrücken,
Ihr heitern Bilder, harmlos bunte Spiele?

Mich faßt der Sturm, wild ringen Licht nd Schatten,
durch Wolkenriß bricht flammendes Entzücken –
Nur zu, mein Roß! Wir finden noch zum Ziele!

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Gedicht: Entschluss von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Entschluss“ von Joseph von Eichendorff handelt von der Überwindung der inneren Zerrissenheit und dem Entschluss, sich dem Leben und seinen Herausforderungen zu stellen. Im ersten Teil des Gedichts wird die Sehnsucht nach einem ruhigen, beschaulichen Leben beschrieben. Die „sanften Hügel“ und der „Strom von ewig gleichen Tagen“ symbolisieren eine Welt der Geborgenheit und des Friedens, in der die Sehnsucht „ihre Flügel“ senkt. Dieser Zustand des Stillstands ist jedoch nicht von Dauer und wird im weiteren Verlauf in Frage gestellt.

Der zweite Teil des Gedichts kontrastiert die beschriebene Idylle mit der Welt derer, die sich aktiv am Leben beteiligen und nach „des Lebens höchste Güte“ streben. Diese Menschen sind bereit, Risiken einzugehen und „zu wagen“, was sie sich wünschen. Der „strenge Geist“, der „des Rosses Zügel“ regiert, steht für die Disziplin und den Willen, die für das Erreichen der Ziele notwendig sind. Die rhetorische Frage, die sich an die „stillen Matten“ und die „Heimat“ richtet, drückt die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs aus, das zwischen der Sehnsucht nach Ruhe und dem Drang nach Abenteuer schwankt.

Im dritten Teil des Gedichts erfolgt der Entschluss. Der „Sturm“, das „flammende Entzücken“ und die „Wolkenriß“ stehen für die Turbulenzen und die Intensität des Lebens, die das lyrische Ich nun begrüßt. Der Entschluss wird durch den Aufruf „Nur zu, mein Roß!“ und die Zuversicht „Wir finden noch zum Ziele!“ ausgedrückt. Das „Roß“, also das Pferd, steht hier symbolisch für die eigene Kraft, das eigene Leben und den Weg, den man beschreiten muss. Der Dichter wendet sich vom beschaulichen, passiven Leben ab, um aktiv am Leben teilzunehmen, auch wenn dies mit Herausforderungen und Risiken verbunden ist.

Die Sprache des Gedichts ist romantisch geprägt. Eichendorff verwendet Bilder aus der Natur und setzt auf Metaphern und Vergleiche, um die innere Gefühlswelt des lyrischen Ichs auszudrücken. Die sanften, harmonischen Verse des Anfangs stehen im Gegensatz zu den dynamischen, energiegeladenen Worten des Schlusses. Durch diese Gegenüberstellung wird die Veränderung und der Entschluss des lyrischen Ichs eindrucksvoll verdeutlicht. Das Gedicht ist somit ein Bekenntnis zur aktiven Lebensgestaltung und zur Überwindung der eigenen Ängste und Zweifel.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.