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Durch! (1)

Von

Laß dich die Welt nicht fangen,
Brich durch, mein freudig Herz,
Ein ernsteres Verlangen
Erheb dich himmelwärts!

Greif in die goldnen Saiten,
Da spürst du, daß du frei,
Es hellen sich die Zeiten,
Aurora scheinet neu.

Es mag, will alles brechen,
Die gotterfüllte Brust
Mit Tönen wohl besprechen
Der Menschen Streit und Lust.

Und eine Welt von Bildern
Baut sich da auf so still,
Wenn draußen dumpf verwildern
Die alte Schönheit will.

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Gedicht: Durch! (1) von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Durch!“ von Joseph von Eichendorff ist ein Aufruf zur inneren Freiheit und zur Flucht aus der Enge der Welt. Es ermutigt das lyrische Ich, seine tieferen Sehnsüchte zu verfolgen und sich von äußeren Zwängen zu befreien. Im Zentrum steht das „freudige Herz“, das sich durch die Begrenzungen der Welt „brechen“ soll, um sich einem „ernsteren Verlangen“ zuzuwenden, das in Richtung des Himmels weist. Diese Initialanrufung etabliert das zentrale Thema der Transzendenz und des individuellen Aufstiegs.

Die zweite Strophe verstärkt diesen Impuls, indem sie die Aktivierung der eigenen schöpferischen Kräfte betont. Das „Greifen in die goldnen Saiten“ symbolisiert die Nutzung der eigenen künstlerischen oder geistigen Fähigkeiten. Durch diese Aktivität erfährt das Ich die eigene Freiheit und erlebt eine innere Erleuchtung, die durch das Bild der „Aurora“, des Morgengrauens, versinnbildlicht wird. Dies deutet auf einen Neubeginn und eine neue Perspektive auf die Welt hin. Die Musik als Metapher für Kunst und Kreativität spielt eine zentrale Rolle bei der Befreiung des Individuums.

Die dritte Strophe reflektiert die Auseinandersetzung mit der äußeren Welt. Während „alles brechen“ will – also die bestehenden Strukturen und Werte zerstören möchte – wird die „gotterfüllte Brust“ zum Ort der Bewahrung von Schönheit und Bedeutung. Das lyrische Ich soll die Gegensätze von „Streit und Lust“ der Menschen mit „Tönen wohl besprechen“ – also durch Kunst und Poesie verarbeiten und überwinden. Hier wird die Kunst als Instrument der Sinnstiftung und der bewahrenden Erinnerung an die Welt dargestellt.

Die letzte Strophe beschreibt das Ergebnis dieser inneren Arbeit. Wenn die äußere Welt „dumpf verwildert“, also ihren Glanz verliert und dem Verfall preisgegeben ist, baut sich in der inneren Welt eine neue, stille Welt von Bildern auf. Diese innere Welt bewahrt die „alte Schönheit“, die von der äußeren Welt bedroht wird. Eichendorffs Gedicht betont also die Kraft des Einzelnen, durch innere Freiheit, Kreativität und die Hinwendung zum Geistigen der Welt die Schönheit und den Sinn zu bewahren und zu erneuern.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.