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Der Schiffer

Von

Die Lüfte linde fächeln,
Aus stillen Meeres Schaum
Sirenen tauchend lächeln,
Der Schiffer liegt im Traum.

Da faßt der Sturm die Wellen,
Durchwühlt die Einsamkeit:
Wacht auf, ihr Traumgesellen,
Nun ists nicht Schlafenszeit! –

In jenen stillen Tagen
Wie war ich stolz und klug,
In sichern Glücks Behagen
Mir selber gut genug.

Du hast das Glück zerschlagen;
Nimm wieder, was du gabst,
Ich schweig und will nicht klagen,
Jetzt weiß ich, wie du labst.

Das sind die mächtgen Stürme,
Die wecken, was da ruht,
Es sinken Land und Türme
Allmählich in die Flut.

Kein Meerweib will sich zeigen,
Kein Laut mehr langt zu mir,
Und in dem weiten Schweigen
Steh ich allein mit dir.

O führe an den Riffen
Allmächtig deine Hand,
Wohin wir alle schiffen,
Uns zu dem Heimatstrand!

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Gedicht: Der Schiffer von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Schiffer“ von Joseph von Eichendorff ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema des Verlusts von Illusionen und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Es beginnt mit einer idyllischen Szene: Der Schiffer träumt unter dem sanften Wind und dem Lächeln der Sirenen, eine Metapher für eine unbeschwerte, idyllische Lebensphase. Diese Ruhe wird jedoch durch einen Sturm, der das Meer aufwühlt und die Einsamkeit durchbricht, abrupt unterbrochen. Der Sturm symbolisiert die Herausforderungen und Krisen, die das Leben mit sich bringt und den Schiffer aus seinem Traum reißen.

Die zweite Strophe markiert den Beginn der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Veränderung. Der Schiffer erinnert sich an eine Zeit des Stolzes und der Selbstzufriedenheit, in der er sich „gut genug“ fühlte. Der Sturm wird als Ursache für den Verlust dieses Zustands identifiziert, wobei die Zeile „Du hast das Glück zerschlagen“ eine direkte Ansprache an eine höhere Macht oder das Schicksal darstellt. Durch diese Erfahrung des Verlustes und der Auseinandersetzung mit dem Schmerz, wächst die Erkenntnis über die tieferen Aspekte des Lebens, symbolisiert durch das „Wie du labst“. Die Anspielung auf eine göttliche oder übergeordnete Kraft ist subtil, doch die Akzeptanz des Wandels und die Bereitschaft, nicht zu klagen, zeigen eine reife Auseinandersetzung mit dem Leiden.

Die dritte Strophe vertieft die existenzielle Krise des Schiffer. Das Land und die Türme, die Symbole für Sicherheit und Stabilität, versinken allmählich in die Flut. Dies steht für den Verlust von allem, was dem Schiffer einst wichtig war, bis hin zum Verlust der äußeren Reize wie der Meerjungfrauen und ihrer Gesänge. Im weiten Schweigen, das folgt, steht der Schiffer allein mit dem „Du“, was ein intimes Verhältnis und die Erkenntnis des eigenen Platzes im Universum impliziert. Die Stürme dienen somit als Katalysatoren für eine tiefgreifende Transformation, die den Schiffer von seiner Selbstbezogenheit befreit.

Im letzten Abschnitt bittet der Schiffer um Führung und Orientierung. Er fleht die höhere Macht an, ihn sicher an den „Heimatstrand“ zu geleiten, der hier nicht nur einen physischen, sondern auch einen spirituellen Ort der Geborgenheit und des Friedens darstellt. Die Riffe stehen für die Gefahren und Herausforderungen des Lebens, während die Hand der höheren Macht die Lenkung und den Schutz symbolisiert. Das Gedicht endet mit einer Sehnsucht nach einem sicheren Hafen, einer Hoffnung auf Sinnfindung und die Akzeptanz des unaufhaltsamen Wandels im Leben. Es ist ein Appell an die Hoffnung inmitten der Ungewissheit und der Suche nach dem Wesentlichen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.