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Der Maler

Von

Aus Wolken, eh im nächtgen Land
Erwacht die Kreaturen,
Langt Gottes Hand,
Zieht durch die stillen Fluren
Gewaltig die Konturen,
Strom, Wald und Felsenwand.

Wach auf, wach auf! Die Lerche ruft,
Aurora taucht die Strahlen
Verträumt in Duft,
Beginnt auf Berg und Talen
Ringsum ein himmlisch Malen
In Meer und Land und Luft.

Und durch die Stille, lichtgeschmückt,
Aus wunderbaren Locken
Ein Engel blickt. –
Da rauscht der Wald erschrocken,
Da gehn die Morgenglocken,
Die Gipfel stehn verzückt.

O lichte Augen, ernst und mild,
Ich kann nicht von euch lassen!
Bald wieder wild
Stürmts her von Sorg und Hassen –
Durch die verworrnen Gassen
Führ mich, mein göttlich Bild!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Der Maler von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Maler“ von Joseph von Eichendorff beschreibt die Erfahrung eines Künstlers, der sich von der Schönheit der Natur und der göttlichen Inspiration ergreifen lässt. Das Gedicht beginnt mit der Beschreibung der Schöpfung, in der Gottes Hand die Konturen der Landschaft in der Dämmerung zeichnet. Diese Eröffnung setzt den Ton für die folgende Hymne auf die Schönheit und die göttliche Präsenz in der Welt. Die Verwendung von Begriffen wie „Gewaltig“ und „Konturen“ deutet auf die kraftvolle und formgebende Kraft Gottes hin, die die Grundlage für die Kunst und die menschliche Wahrnehmung bildet.

Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Morgengrauen und die daraus resultierende Erweckung der Natur. Die „Lerche ruft“ und Aurora taucht die Landschaft in Licht und Duft. Hier wird das Aufwachen und die beginnende Schönheit des Tages als Metapher für die Erweckung der Inspiration und die Entstehung des Kunstwerks dargestellt. Das „himmlische Malen“ in Meer, Land und Luft deutet auf die allgegenwärtige Schönheit und die Möglichkeit der kreativen Entdeckung hin, die der Künstler in der Natur findet. Die Beschreibung der Umgebung, das „himmlische Malen“, zeigt das Eintauchen des Künstlers in die Schönheit und die daraus resultierende Inspiration.

Im dritten Teil des Gedichts erscheint ein Engel, der als Vermittler zwischen Himmel und Erde fungiert. Die Stille wird durch das göttliche Licht geschmückt und das Erscheinen des Engels löst eine Reaktion in der Natur aus: Der Wald rauscht, die Morgenglocken läuten, und die Gipfel sind „verzückt“. Diese Szene verdeutlicht die tiefe Verbindung zwischen dem Künstler, der Natur und der göttlichen Sphäre. Der Engel verkörpert die reine, unbefleckte Schönheit, die den Maler inspiriert und ihm den Weg weist.

Der abschließende Teil des Gedichts ist eine direkte Anrufung. Der Maler spricht die „lichten Augen“ des Engels an und bittet um Führung. Er drückt sein Verlangen aus, der Welt des Hasses und der Sorge zu entfliehen und sich stattdessen dem göttlichen Bild zuzuwenden. Der Wunsch nach Führung unterstreicht die Sehnsucht nach einer höheren Ordnung und die Hoffnung des Künstlers, durch die Kunst Trost und Sinn zu finden. Die „verworrnen Gassen“ stehen dabei symbolisch für die Unordnung und das Leid der Welt, denen der Künstler entfliehen möchte.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.