Der letzte Gruß
1837Ich kam vom Walde hernieder, Da stand noch das alte Haus, mein Liebchen, sie schaute wieder Wie sonst zum Fenster hinaus.
Sie hat einen andern genommen, Ich war draußen in Schlacht und Sieg, Nun ist alles anders gekommen, Ich wollt‘, es wär‘ wieder erst Krieg.
Am Wege dort spielte ihr Kindlein, Das glich ihr recht auf ein Haar, Ich küßt′s auf sein rotes Mündlein: “Gott segne dich immer dar!”
Sie aber schaute erschrocken Noch lange Zeit nach mir hin, Und schüttelte sinnend die Locken, Und wußte nicht wer ich bin.
Da droben hoch stand ich am Baume, Da rauschten die Wälder so sacht, Mein Waldhorn, das klang wie im Traume Hinüber die ganze Nacht.
Und als die Vögelein sangen Frühmorgens, sie weinte so sehr, Ich aber war weit schon gegangen, Nun sieht sie mich nimmermehr!
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Interpretation
Das Gedicht "Der letzte Gruß" von Joseph von Eichendorff erzählt die melancholische Geschichte eines Kriegers, der nach seiner Rückkehr aus den Schlachten seine frühere Geliebte wiedersieht. Die Erzählung beginnt mit der Ankunft des Protagonisten im Dorf, wo er das Haus seiner ehemaligen Liebe erblickt. Er bemerkt, dass sie inzwischen einen anderen Mann geheiratet hat und ein Kind hat, das ihr sehr ähnlich sieht. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die emotionale Begegnung zwischen dem Krieger und seiner ehemaligen Geliebten. Obwohl sie ihn nicht erkennt, küsst er ihr Kind und wünscht ihm Segen. Die Frau blickt ihm erschrocken nach, kann ihn aber nicht zuordnen. Der Krieger steht daraufhin auf einem Baum und bläst in sein Waldhorn, dessen Klang traumhaft über die Nacht hinweg hallt. Im letzten Teil des Gedichts erwacht der Morgen mit dem Gesang der Vögel. Die Frau weint, während der Krieger bereits weit entfernt ist. Der Schlussvers "Nun sieht sie mich nimmermehr!" unterstreicht die Endgültigkeit der Trennung und die Unmöglichkeit einer Wiedervereinigung. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Melancholie und die Vergänglichkeit der Liebe und des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- mein Liebchen, sie schaute wieder
- Bildsprache
- Mein Waldhorn, das klang wie im Traume
- Hyperbel
- Nun sieht sie mich nimmermehr
- Kontrast
- Ich wollt‘, es wär‘ wieder erst Krieg
- Metapher
- Ich kam vom Walde hernieder
- Personifikation
- Da rauschten die Wälder so sacht
- Vergleich
- Das glich ihr recht auf ein Haar