Der junge Ehemann
Hier unter dieser Linde
Saß ich viel tausendmal
Und schaut nach meinem Kinde
Hinunter in das Tal,
Bis daß die Sterne standen
Hell über ihrem Haus,
Und weit in den stillen Landen
Alle Lichter löschten aus.
Jetzt neben meinem Liebchen
Sitz ich im Schatten kühl,
Sie wiegt ein muntres Bübchen,
Die Täler schimmern schwül,
Und unten im leisen Winde
Regt sich das Kornfeld kaum,
Und über uns säuselt die Linde –
Es ist mir noch wie ein Traum.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Der junge Ehemann“ von Joseph von Eichendorff zeichnet ein Bild familiären Glücks und der Innigkeit zwischen einem jungen Ehemann, seiner Frau und ihrem Kind. Es ist eine Momentaufnahme idyllischer Harmonie, eingebettet in eine Natur, die diese Glückseligkeit widerspiegelt und verstärkt. Das Gedicht beschreibt eine Entwicklung vom früheren Sehnen nach dem Kind, zur Gegenwart des gemeinsamen Glücks und der Geborgenheit.
In den ersten vier Versen wird eine Vergangenheit evoziert, in der der junge Mann oft unter der Linde saß und voller Sehnsucht auf sein Kind im Tal hinabblickte. Die Zeit verging, bis die Sterne am Himmel standen und die Lichter im Tal erloschen, was auf die lange Zeit der Sehnsucht hindeutet. Diese Verse atmen eine Atmosphäre der Erwartung und der Hingabe. Der Mann war bereit, lange zu warten und zu beobachten, bis sein Kind in Sicherheit war.
Der zweite Teil des Gedichts markiert den Übergang in die Gegenwart. Der junge Ehemann sitzt nun neben seiner Liebsten, die ihr Kind wiegt, und die Welt scheint sich in Ruhe und Stille zu wiegen. Die Natur ist lebendig und doch sanft: Das Kornfeld regt sich kaum im Wind, und die Linde säuselt über ihnen. Diese Szenerie wirkt wie ein schützender Rahmen für das familiäre Glück. Das Gefühl des jungen Mannes, dass es ihm noch wie ein Traum vorkommt, deutet auf eine tiefe Dankbarkeit und vielleicht auch auf ein gewisses Ungläubigkeit über das Erreichte hin.
Eichendorff verwendet in seinem Gedicht einfache, klare Sprache, die zur Natürlichkeit und Direktheit der Botschaft passt. Die Reime und der Rhythmus erzeugen eine beruhigende Wirkung, die die Harmonie des Inhalts unterstützt. Die Metaphern, wie die „schimmernden“ Täler und die „säuselnde“ Linde, verstärken das Bild der Ruhe und des Einklangs mit der Natur. Das Gedicht feiert die Schönheit des Familienlebens und die Freude, die aus der Erfüllung eines lange gehegten Wunsches erwachsen kann.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.