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Der Glückliche

Von

Ich hab ein Liebchen lieb recht von Herzen,
Hellfrische Augen hats wie zwei Kerzen,
Und wo sie spielend streifen das Feld,
Ach, wie so lustig glänzet die Welt!

Wie in der Waldnacht zwischen den Schlüften
Plötzlich die Täler sonnig sich klüften,
Funkeln die Ströme, rauscht himmelwärts
Blühende Wildnis – so ist mein Herz!

Wie vom Gebirge ins Meer zu schauen,
Wie wenn der Seefalk, hangend im Blauen,
Zuruft der dämmernden Erd, wo sie blieb? –
So unermeßlich ist rechte Lieb!

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Gedicht: Der Glückliche von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Glückliche“ von Joseph von Eichendorff zelebriert die Freude und das Glück, die aus der Liebe entspringen. Das Gedicht beginnt mit einer direkten Aussage über die tiefe Zuneigung des lyrischen Ichs zu seinem Liebchen. Die Beschreibung der Liebsten mit „hellfrische[n] Augen […] wie zwei Kerzen“ etabliert sofort ein positives, strahlendes Bild, das die Begeisterung des Sprechers für seine Geliebte unterstreicht. Das „spielende[n] Streifen“ ihrer Blicke über das Feld verwandeln die Umgebung, wodurch die Welt „lustig glänzet“. Dies deutet darauf hin, dass die Liebe die Wahrnehmung des lyrischen Ichs verändert und die Welt in einem neuen, positiven Licht erscheinen lässt.

In den folgenden Strophen verwendet Eichendorff eine Reihe von Naturbildern, um die Tiefe und Weite des Glücksgefühls zu veranschaulichen. Der Vergleich des Herzens des Sprechers mit einer Landschaft, die sich plötzlich in der Waldnacht öffnet, um von der Sonne erhellt zu werden, illustriert die transformative Kraft der Liebe. Ebenso wie das Erscheinen der Sonne das Tal erhellt und die Ströme zum Funkeln bringt, so beflügelt die Liebe das Herz des Sprechers. Die Verwendung von Wörtern wie „Funkeln“, „rauscht himmelwärts“ und „Blühende Wildnis“ unterstreicht die Lebendigkeit, Schönheit und den Aufschwung, der durch die Liebe entsteht.

Die dritte Strophe führt eine weitere eindrucksvolle Metapher ein: der Blick von einem Gebirge auf das Meer. Diese Analogie verdeutlicht die grenzenlose Tiefe der Liebe des Sprechers. Der Seefalke, der „hangend im Blauen“ zur Erde hinunterschaut, symbolisiert eine Perspektive der Weite und des Überblicks. Der Hinweis auf die „dämmernde[n] Erd“, die zurückbleibt, unterstreicht das Gefühl von Entfernung und Unendlichkeit. Die abschließende Zeile, „So unermeßlich ist rechte Lieb!“, fasst die vorhergehenden Bilder zusammen und bestätigt die unbegrenzte Natur der Liebe, die das lyrische Ich empfindet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Eichendorff in „Der Glückliche“ eine Hymne auf die Liebe schreibt. Durch die Verwendung von bildhafter Sprache und Naturbildern gelingt es ihm, die freudige und transformative Wirkung der Liebe auf das lyrische Ich zu vermitteln. Das Gedicht feiert die Schönheit, die Lebendigkeit und die Unendlichkeit der Liebe und präsentiert sie als Quelle unendlichen Glücks. Die Einfachheit der Sprache und die klaren Bilder machen das Gedicht für den Leser zugänglich und erwecken die Emotionen des Sprechers auf eindrucksvolle Weise.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.