Der Glücksritter

Joseph von Eichendorff

1788

Wenn Fortuna spröde tut, Laß ich sie in Ruh, Singe recht und trinke gut, Und Fortuna kriegt auch Mut, Setzt sich mit dazu.

Doch ich geb mir keine Müh: “He, noch einer her!” Kehr den Rücken gegen sie, Laß hoch leben die und die - Das verdrießt sie sehr.

Und bald rückt sie sacht zu mir: “Hast du deren mehr?” Wie Sie sehn. - “Drei Kannen schier, und das lauter Klebebier!” - ′s wird mir gar nicht schwer.

Drauf sie zu mir lächelt fein: “Bist ein ganzer Kerl!” Ruft den Kellner, schreit nach Wein, Trinkt mir zu und schenkt mir ein, Echte Blum und Perl.

Sie bezahlet Wein und Bier, Und ich, wieder gut, Führe sie am Arm mit mir Aus dem Haus, wie′n Kavalier, Alles zieht den Hut.

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Illustration zu Der Glücksritter

Interpretation

Das Gedicht "Der Glücksritter" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Mann, der sich nicht von der spröden Fortuna beeindrucken lässt. Er genießt das Leben, singt und trinkt gut, und dadurch wird die Fortuna mutig und gesellt sich zu ihm. Der Glücksritter gibt sich jedoch keine Mühe, die Fortuna zu beeindrucken. Er lebt sein Leben und ignoriert sie, was sie sehr verärgert. Doch bald nähert sich die Fortuna ihm wieder und fragt, ob er mehr von ihrem Wein habe. Der Glücksritter zeigt ihr stolz drei Kannen Klebebiere, was ihm nicht schwerfällt. Daraufhin lächelt die Fortuna ihn an, nennt ihn einen echten Kerl und bestellt mehr Wein. Sie trinkt ihm zu und schenkt ihm ein, was als Zeichen ihrer Gunst und Zuneigung interpretiert werden kann. Schließlich bezahlt die Fortuna Wein und Bier, und der Glücksritter führt sie galant aus dem Haus, während alle anderen den Hut ziehen. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass man das Leben genießen und sich nicht von äußeren Umständen beeinflussen lassen sollte. Der Glücksritter bleibt sich selbst treu und lässt sich nicht von der Fortuna abhängig machen. Durch seine Gelassenheit und Selbstsicherheit gewinnt er letztendlich ihre Gunst und Zuneigung.

Schlüsselwörter

fortuna laß gut wein spröde tut ruh singe

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Laß ich sie in Ruh
Anapher
Laß ich sie in Ruh, Singe recht und trinke gut
Bildsprache
Wie Sie sehn. - 'Drei Kannen schier, und das lauter Klebebier!'
Ironie
Und ich, wieder gut, Führe sie am Arm mit mir Aus dem Haus, wie′n Kavalier
Kontrast
Trinkt mir zu und schenkt mir ein, Echte Blum und Perl
Metapher
Wenn Fortuna spröde tut
Personifikation
Und Fortuna kriegt auch Mut
Symbolik
Alles zieht den Hut
Wiederholung
Laß ich sie in Ruh, Kehr den Rücken gegen sie