Der Blick
Schaust Du mich aus Deinen Augen
lächelnd wie aus Himmeln an,
fühl′ ich wohl, daß keine Lippe
solche Sprache führen kann.
Könnte sie′s auch wörtlich sagen
was dem Herzen tief entquillt,
still den Augen aufgetragen
wird es süßer nur erfüllt.
Und ich seh′ des Himmels Quelle,
die mir lang verschlossen war,
wie sie bricht in reinster Helle
aus dem reinsten Augenpaar.
Und ich öffne still im Herzen
alles, alles diesem Blick.
Und den Abgrund meiner Schmerzen
füllt er strömend aus mit Glück.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Der Blick“ von Joseph von Eichendorff ist eine lyrische Hommage an die Macht des Blicks und die tiefe emotionale Verbindung, die durch diesen ausgedrückt wird. Das Gedicht beschreibt eine Begegnung, bei der der Blick einer geliebten Person eine tiefgreifende Wirkung auf den Sprecher ausübt, indem er eine Sprache spricht, die Worte nicht erreichen können. Die Betonung liegt auf der Reinheit und der transformierenden Kraft des Blicks, der Trost, Glück und Erleuchtung bringt.
Die erste Strophe etabliert das zentrale Motiv: den Blick, der wie ein Lächeln aus dem Himmel empfangen wird. Dieser Blick scheint eine Botschaft zu übermitteln, die durch Worte nicht vermittelt werden könnte. Hier wird bereits die Idee der Kommunikation über das Sprachliche hinaus angedeutet. In der zweiten Strophe wird diese Vorstellung vertieft, indem der Blick als Ausdruck von Gefühlen dargestellt wird, die tiefer im Herzen wurzeln. Er wird als eine subtilere und umfassendere Form der Kommunikation hervorgehoben, die die Wahrheit auf eine reinere und erfüllendere Weise offenbart.
Die dritte Strophe wechselt zu einem Bild der Erleuchtung und der Offenbarung. Der Blick der geliebten Person öffnet dem Sprecher eine „Himmelsquelle“, die ihm lange verschlossen war. Dies deutet auf eine spirituelle oder emotionale Erweckung hin, die durch die reine Helligkeit des Blicks ausgelöst wird. Der Blick wird hier als Quelle der Erkenntnis und des Glücks dargestellt.
In der letzten Strophe findet eine tiefgreifende Transformation statt. Der Sprecher öffnet sein Herz vollständig für diesen Blick und lässt ihn zu. Der Blick, so wird betont, füllt den Abgrund der Schmerzen mit Glück. Dies symbolisiert die heilende und erlösende Kraft der Liebe und der zwischenmenschlichen Verbindung. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Erfüllung und des Trostes, das durch die reine, wortlose Kommunikation des Blicks vermittelt wird. Es ist eine Feier der emotionalen Tiefe und der transformierenden Kraft der Liebe.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.