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Pessimisten-Arznei

Von

Du klagst, dass Nichts dir schmackhaft sei?
Noch immer, Freund, die alten Mucken?
Ich hör dich lästern, lärmen, spucken –
Geduld und Herz bricht mir dabei.

Folg mir, mein Freund! Entschliess dich frei,
Ein fettes Krötchen zu verschlucken,
Geschwind und ohne hinzugucken! –
Das hilft dir von der Dyspepsei!

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Gedicht: Pessimisten-Arznei von Friedrich Nietzsche

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Pessimisten-Arznei“ von Friedrich Nietzsche ist eine beißende Satire auf den Pessimismus und die daraus resultierende Unzufriedenheit. Es beginnt mit einer direkten Ansprache an einen Freund, der sich über seine allgemeine Unlust beklagt. Die ersten beiden Zeilen deuten bereits die Ursache des Leidens an: Der Freund ist von nichts begeistert, er ist unzufrieden mit der Welt. Der verwendete Ton ist fast vorwurfsvoll, was die Ungeduld und das Unverständnis des Sprechers für die Klagen des Freundes offenbart.

Der zweite Teil des Gedichts, in den Zeilen drei und vier, eskaliert die Reaktion des Sprechers. Er bezeichnet die Klagen als „lästern, lärmen, spucken“ und betont damit die Ablehnung gegenüber dem Pessimismus. Die Reaktion des Sprechers ist in diesem Fall mit „Geduld und Herz bricht mir dabei“ dargestellt. Nietzsche versucht also, die übertriebene Natur des Pessimismus auf humorvolle Weise zu entlarven, indem er die Reaktionen des Sprechers verdeutlicht.

Der zweite Teil des Gedichts bietet eine groteske „Arznei“ zur Bekämpfung der Missstimmung. Der Rat, „ein fettes Krötchen zu verschlucken“, ist natürlich als Metapher zu verstehen. Es handelt sich hierbei um einen schockierenden und radikalen Vorschlag, der die Absurdität der pessimistischen Sichtweise veranschaulicht. Die Aufforderung, dies „geschwind und ohne hinzugucken“ zu tun, unterstreicht die Ablehnung des Redners gegenüber der Melancholie. Nietzsche will, dass der Freund seine Perspektive drastisch ändert.

Letztlich ist das Gedicht ein Plädoyer für eine aktive Auseinandersetzung mit dem Leben, auch wenn dieses unangenehme Aspekte bereithält. Die „Dyspepsei“ (Verdauungsstörung) steht metaphorisch für die seelische Verstimmung des Pessimisten. Der Rat des Sprechers, so drastisch er auch klingen mag, soll eine Überwindung des Pessimismus bewirken und den Freund dazu ermutigen, sich der Welt ohne übertriebene Erwartungen zu stellen. Die pointierte Sprache und die ungewöhnliche Metapher machen das Gedicht zu einem satirischen Kommentar zur menschlichen Natur und zum Umgang mit Leid.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.