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Heiterkeit, güldene, komm!

Von

Heiterkeit, güldene, komm!
du des Todes
heimlichster, süßester Vorgenuß!
– Lief ich zu rasch meines Wegs?
Jetzt erst, wo der Fuß müde ward,
holt dein Blick mich noch ein,
holt dein Glück mich noch ein.

Rings nur Welle und Spiel.
Was je schwer war,
sank in blaue Vergessenheit –
müßig steht nun mein Kahn.
Sturm und Fahrt – wie verlernt er das!
Wunsch und Hoffen ertrank,
glatt liegt Seele und Meer.

Siebente Einsamkeit!
Nie empfand ich
näher mir süße Sicherheit,
wärmer der Sonne Blick.
– Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
Silbern, leicht, ein Fisch
schwimmt nun mein Nachen hinaus.

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Gedicht: Heiterkeit, güldene, komm! von Friedrich Nietzsche

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Heiterkeit, güldene, komm!“ von Friedrich Nietzsche ist eine Reflexion über das Erreichen eines Zustands der Gelassenheit und des Friedens, der mit dem Tod assoziiert wird. Es beginnt mit einem direkten Appell an die „Heiterkeit“, die als „güldene“ und „süßeste Vorgenuß“ des Todes beschrieben wird. Dieser eröffnende Aufruf deutet bereits auf eine paradoxe Wertschätzung des Todes als Quelle der Ruhe und des Glücks hin. Die ersten Verse drücken eine gewisse Erschöpfung und das Gefühl aus, zu schnell gelebt zu haben, bevor die Heiterkeit den Dichter einholt und ihm Trost spendet.

Der zweite Abschnitt des Gedichts beschreibt eine Szene der Ruhe und des Friedens. Alles Schwere, das einst belastete, ist in Vergessenheit geraten, und der „Kahn“ des Dichters liegt nun „müßig“. Sturm und Fahrt, die Metaphern für die Herausforderungen des Lebens, sind vergessen, und Wünsche sowie Hoffnungen sind ertrunken. Die „glatt“ liegende „Seele und Meer“ symbolisieren eine vollständige Harmonie und das Ende des inneren Konflikts. Dieses Bild der Stille und des Gleichgewichts deutet auf eine tiefe Akzeptanz des Lebens und die Abwesenheit von Sehnsüchten hin.

Die „siebente Einsamkeit“ stellt den Höhepunkt der Erfahrung dar. Hier erreicht der Dichter ein Gefühl von Sicherheit und Wärme, das ihm die Sonne zu schenken scheint. Trotz dieser Wärme wird die Frage gestellt, ob die „Eis meiner Gipfel“ noch glühen, was auf eine verbliebene Kälte oder Distanz zur Welt hindeuten könnte. Die abschließenden Verse beschreiben den „Nachen“ des Dichters, der „silbern, leicht, ein Fisch“ hinaus schwimmt. Dies ist ein Bild des sanften Dahingleitens und der Befreiung, das die Loslösung von den irdischen Sorgen und das Erreichen eines Zustands der Transzendenz andeutet.

Insgesamt ist das Gedicht eine Kontemplation über die Beziehung zwischen Leben, Tod und Erleuchtung. Nietzsche stellt die Heiterkeit nicht als Gegensatz zum Tod dar, sondern als seine süßeste Vorstufe. Die erreichte Ruhe und Gelassenheit werden durch die Auflösung von Leid und Begierde erreicht. Der Übergang vom Leben zum Tod wird somit als ein transformativer Prozess dargestellt, der letztlich zu einem Zustand der Harmonie und Freiheit führt. Das Gedicht ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach Frieden und einem tiefen Verständnis des menschlichen Daseins.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.