Gegenliebe

Heinrich Christian Boie

1760

Wenn ich wüßte daß du mich Lieb und werth ein bischen hieltest Und von dem, was ich für dich, Nur ein Hunderttheilchen fühltest;

Wenn dein Danken meinem Gruß Halbes Wegs entgegen käme, Wenn dein Mund den Wechselkuss Gerne gäb’ und wiedernähme;

Himmel, Himmel! außer sich Würde ganz mein Herz zerlodern! Leib und Leben könnt’ ich dich Nicht vergebens laßen fodern! -

Gegengunst erhöhet Gunst, Liebe nähret Gegenliebe, Und entflammt zu Feuersbrunst, Was ein Aschenfünkchen bliebe.

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Illustration zu Gegenliebe

Interpretation

Das Gedicht "Gegenliebe" von Heinrich Christian Boie handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach erwiderten Gefühlen und der damit verbundenen Intensität der Liebe. Das Gedicht besteht aus vier Strophen mit jeweils vier Versen und folgt einem regelmäßigen Reimschema. In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich die hypothetische Situation, dass das angesprochene "du" auch nur ein wenig Liebe und Wertschätzung für das lyrische Ich empfinden würde. Es würde ausreichen, wenn das "du" nur ein Hundertstel der Gefühle empfinden würde, die das lyrische Ich für das "du" empfindet. Die zweite Strophe verdeutlicht die Vorstellung des lyrischen Ichs von einer erwiderten Liebe. Es beschreibt, wie das "du" mit Dankbarkeit auf die Gesten des lyrischen Ichs reagieren und die Liebe durch einen Kuss erwidern würde. Das lyrische Ich betont, dass es in diesem Fall bereit wäre, Leib und Leben für das "du" zu opfern. In der dritten Strophe drückt das lyrische Ich die Intensität der Gefühle aus, die es in einer solchen Situation empfinden würde. Es beschreibt, wie sein Herz vor Liebe entflammen und wie es bereit wäre, alles für das "du" zu geben. Die vierte Strophe fasst die Botschaft des Gedichts zusammen. Es besagt, dass erwidertes Wohlwollen die Gunst erhöht und Liebe die Gegenliebe nährt. Die Metapher der Feuersbrunst verdeutlicht die Intensität der Gefühle, die aus einem kleinen Funken entstehen können.

Schlüsselwörter

himmel wüßte lieb werth bischen hieltest hunderttheilchen fühltest

Wortwolke

Wortwolke zu Gegenliebe

Stilmittel

Alliteration
Himmel, Himmel! außer sich Würde ganz mein Herz zerlodern
Anapher
Wenn ich wüßte daß du mich Lieb und werth ein bischen hieltest Und von dem, was ich für dich, Nur ein Hunderttheilchen fühltest
Hyperbel
Wenn ich wüßte daß du mich Lieb und werth ein bischen hieltest Und von dem, was ich für dich, Nur ein Hunderttheilchen fühltest
Metapher
Und entflammt zu Feuersbrunst, Was ein Aschenfünkchen bliebe
Personifikation
Gegengunst erhöhet Gunst, Liebe nähret Gegenliebe