Zwist

August Stramm

1874

Gallen foltern bäumen lösen Knirschen zürnen meiden Haß Zittern stampfen schäumen grämen Suchen beben forschen bang Wenden zagen schauen langen Stehen rühren seufzen gehn Streicheln klagen Kosen schelten Schämen schmäht Und Fliehen wirbt Schmiegen wehret Armen sträubet Quälen küßt Vergessen Lacht!

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Illustration zu Zwist

Interpretation

Das Gedicht "Zwist" von August Stramm ist ein eindringliches Werk, das die innere Zerrissenheit und den Konflikt des menschlichen Seins darstellt. Durch die Verwendung von kurzen, prägnanten Worten und einer fragmentierten Syntax schafft Stramm eine Atmosphäre der Unruhe und des Zwists. Die einzelnen Worte wie "Gallen foltern", "Knirschen zürnen" und "Haß" vermitteln ein Gefühl von Schmerz, Wut und Hass, das den Leser unmittelbar berührt. Die Struktur des Gedichts, mit seinen kurzen Zeilen und dem Fehlen von Satzzeichen, verstärkt das Gefühl der Unordnung und des Chaos. Die Worte scheinen wie in einem Strom des Bewusstseins zu fließen, ohne klare Struktur oder Ordnung. Dies spiegelt die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs wider, das zwischen verschiedenen Emotionen und Handlungen hin- und hergerissen ist. Die Wiederholung bestimmter Worte wie "zagen", "schauen" und "langen" unterstreicht die Unsicherheit und das Verlangen, die den Protagonisten beherrschen. Im zweiten Teil des Gedichts intensiviert sich die emotionale Spannung. Die Worte "streicheln", "klagen", "kosen" und "schelten" zeigen die Ambivalenz der menschlichen Gefühle, die sowohl liebevoll als auch verletzend sein können. Die plötzliche Wendung zu "Fliehen wirbt" und "Schmiegen wehret" verdeutlicht den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Bedürfnis nach Distanz. Die letzten Zeilen "Quälen küßt", "Vergessen" und "Lacht!" lassen den Leser mit einem Gefühl der Verwirrung und des Unbehagens zurück, da sie die widersprüchlichen Aspekte der menschlichen Natur aufzeigen.

Schlüsselwörter

gallen foltern bäumen lösen knirschen zürnen meiden haß

Wortwolke

Wortwolke zu Zwist

Stilmittel

Alliteration
Gallen foltern bäumen lösen
Assonanz
Knirschen zürnen meiden Haß
Enjambement
Gallen foltern bäumen lösen Knirschen zürnen meiden Haß
Juxtaposition
Schmiegen wehret
Kadenz
Stehen rühren seufzen gehn
Kontrast
Kosen schelten
Onomatopoesie
Knirschen
Paradox
Quälen küßt
Parallelismus
Zittern stampfen schäumen grämen Suchen beben forschen bang
Reihung
Wenden zagen schauen langen
Wortverkürzung
Schämen schmäht