Zwielicht
1815Dämmrung will die Flügel spreiten, Schaurig rühren sich die Bäume, Wolken ziehn wie schwere Träume - Was will dieses Graun bedeuten?
Hast ein Reh du, lieb vor andern, Laß es nicht alleine grasen, Jäger ziehn im Wald und blasen, Stimmen hin und wieder wandern.
Hast du einen Freund hienieden, Trau ihm nicht zu dieser Stunde, Freundlich wohl mit Aug und Munde, Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.
Was heut müde gehet unter, Hebt sich morgen neugeboren. Manches bleibt in Nacht verloren - Hüte dich, bleib wach und munter!
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Interpretation
Das Gedicht "Zwielicht" von Joseph von Eichendorff beschreibt eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre, die sich bei Einbruch der Dämmerung einstellt. Die Natur wird als bedrohlich und beängstigend dargestellt, mit sich bewegenden Bäumen und schweren, träumerischen Wolken. Der Dichter fragt sich, was diese Finsternis und dieses Grauen bedeuten mögen. In den folgenden Strophen gibt der Dichter Ratschläge, wie man sich in dieser unheimlichen Zeit verhalten soll. Er warnt davor, ein geliebtes Reh alleine grasen zu lassen, da Jäger im Wald unterwegs sind. Auch einem Freund sollte man in dieser Stunde nicht trauen, da er möglicherweise Krieg im tückischen Frieden sinnt. Der Dichter warnt vor der Dunkelheit und der Gefahr, die sie birgt. Im letzten Vers des Gedichts gibt der Dichter einen Hoffnungsschimmer. Er sagt, dass das, was heute müde untergeht, morgen neu geboren wird. Allerdings bleibt auch vieles in der Nacht verloren. Der Dichter mahnt dazu, wachsam und munter zu bleiben, um nicht Opfer der Dunkelheit und der Gefahr zu werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schaurig rühren sich die Bäume
- Anapher
- Hast ein Reh du, lieb vor andern, Laß es nicht alleine grasen
- Kontrast
- Freundlich wohl mit Aug und Munde, Sinnt er Krieg im tück'schen Frieden
- Metapher
- Hebt sich morgen neugeboren
- Personifikation
- Dämmrung will die Flügel spreiten