Zwei Wandrer
1813Ein Stummer zieht durch die Lande, Gott hat ihm ein Wort vertraut, Das kann er nicht ergründen, Nur einem darf er′s verkünden, Den er noch nie geschaut.
Ein Tauber zieht durch die Lande, Gott selber hieß ihn gehn, Dem hat er das Ohr verriegelt, Und jenem die Lippe versiegelt, Bis sie einander sehn.
Dann wird der Stumme reden, Der Taube vernimmt das Wort, Er wird sie gleich entziffern, Die dunkeln göttlichen Chiffern, Dann ziehn sie gen Morgen fort.
Daß sich die beiden finden, Ihr Menschen, betet viel. Wenn, die jetzt einsam wandern, Treffen einer den andern, Ist alle Welt am Ziel.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Zwei Wandrer" von Friedrich Hebbel handelt von zwei Personen, die durch die Welt ziehen: einem Stummen und einem Tauben. Der Stumme hat von Gott ein Wort erhalten, das er nicht versteht und nur einem Menschen mitteilen kann, den er noch nie gesehen hat. Der Taube hingegen wurde von Gott selbst auf die Reise geschickt, mit verschlossenem Ohr und verschlossener Lippe, bis er den Stummen trifft. Die Begegnung der beiden Wanderer ist von großer Bedeutung. Wenn sie sich endlich sehen, wird der Stumme sprechen können und der Taube das göttliche Wort verstehen. Die dunklen göttlichen Chiffren werden für den Tauben gleich entziffert sein. Danach werden sie gemeinsam gen Morgen ziehen, was auf eine positive Zukunft und einen Neuanfang hindeutet. Das Gedicht schließt mit einem Appell an die Menschheit, für das Zusammentreffen der beiden Wanderer zu beten. Es wird betont, dass, wenn sich die Einsamen treffen, die ganze Welt am Ziel ist. Dies könnte als Metapher für das Erreichen eines höheren Bewusstseins oder einer spirituellen Erleuchtung verstanden werden, die durch die Vereinigung der beiden Figuren erreicht wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die dunkeln göttlichen Chiffern
- Bildsprache
- Bis sie einander sehn
- Hyperbel
- Ist alle Welt am Ziel
- Kontrast
- Der Stumme und der Taube, der durch das Schweigen und die Unfähigkeit zu hören, stehen im Kontrast zueinander
- Metapher
- Ein Stummer zieht durch die Lande, Gott hat ihm ein Wort vertraut
- Parallelismus
- Ein Stummer zieht durch die Lande, Ein Tauber zieht durch die Lande
- Personifikation
- Gott hat ihm ein Wort vertraut
- Symbolik
- Der Stumme und der Taube symbolisieren Menschen, die aufeinander angewiesen sind, um sich zu verstehen