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Zwei Eimer sieht man ab und auf…

Von

Zwei Eimer sieht man ab und auf
In einem Brunnen steigen,
Und schwebt der eine voll herauf,
Muß sich der andre neigen.
Sie wandern rastlos hin und her,
Abwechselnd voll und wieder leer,
Und bringst du diesen an den Mund,
Hängt jener in dem tiefsten Grund;
Nie können sie mit ihren Gaben
In gleichem Augenblick dich laben.

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Gedicht: Zwei Eimer sieht man ab und auf... von Friedrich Schiller

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Zwei Eimer sieht man ab und auf…“ von Friedrich Schiller präsentiert in einfacher, aber wirkungsvoller Weise eine Metapher für das menschliche Leben und insbesondere für die Vergänglichkeit und den Wandel des irdischen Glücks. Das zentrale Bild sind die beiden Eimer, die in einem Brunnen auf- und absteigen. Dieses einfache Szenario symbolisiert den Kreislauf von Fülle und Leere, von Aufstieg und Niedergang, der das Leben prägt.

Die „zwei Eimer“ stehen für verschiedene Aspekte des Lebens, wie Glück, Reichtum, Gesundheit oder auch die verschiedenen Lebensphasen. Wenn einer der Eimer „voll herauf“ steigt, also eine Phase des Glücks oder der Erfüllung darstellt, „muß sich der andre neigen“, was auf den gleichzeitigen Abstieg oder die Leere in einem anderen Lebensbereich oder für eine andere Person hindeutet. Dies veranschaulicht, dass im Leben nicht immer alles gleichzeitig erfüllt sein kann und dass Glück und Unglück oft Hand in Hand gehen oder sich ablösen. Die Rastlosigkeit des Auf- und Absteigens unterstreicht die ständige Veränderung und den Fluss des Lebens.

Die abschließenden Zeilen, „Und bringst du diesen an den Mund, / hängt jener in dem tiefsten Grund; / Nie können sie mit ihren Gaben / In gleichem Augenblick dich laben,“ verstärken die Botschaft der Vergänglichkeit und Unvollkommenheit des irdischen Glücks. Es ist unmöglich, gleichzeitig von beiden Eimern, also von beiden Aspekten des Lebens, zu profitieren. Wenn man das Gefühl der Fülle oder des Glücks erlebt, befindet sich ein anderer Bereich des Lebens möglicherweise in einer Phase des Mangels oder der Leere. Diese Erkenntnis ermahnt zur Demut und zum Verständnis für die Unvermeidlichkeit von Verlust und Wandel im Leben.

Schillers Gedicht ist in seiner Einfachheit ergreifend und zeitlos. Es lädt den Leser ein, über die Natur des menschlichen Daseins und die ständigen Veränderungen, denen wir unterworfen sind, nachzudenken. Durch die klare Metapher der Eimer gelingt es Schiller, eine tiefe philosophische Einsicht in die Endlichkeit und das Gleichgewicht von Glück und Leid zu vermitteln. Die schlichte Sprache und die prägnante Form machen das Gedicht leicht zugänglich und ermöglichen es dem Leser, die universelle Botschaft leicht zu verstehen und auf das eigene Leben zu beziehen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.