Zwei Bübchen sah ich heut
1914Zwei Bübchen sah ich heut, in Lumpen beide, Eins barfuß, eins mit Stiefeln ausgerüstet, Danach wohl keine Seele sonst gelüstet - Fast wie das Messer ohne Griff und Schneide.
Sein Spielgesell indessen sah’s voll Neide, Wie sich der Freund mit seinem Schuhwerk brüstet; Denn ob es auch der Zahn der Zeit verwüstet, Strahlt der Besitzer doch in stolzer Freude.
Den Soldo, den er erst erbetteln müssen, Gab er dem Stiefelputzer, mit Grimassen -! Grinsend vom einen bis zum andern Ohre.
Und sein Triumphblick that der Welt zu wissen: Wer Stiefel hat, kann sie auch putzen lassen, Und wer sie putzen läßt, ist ein Signore.
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Interpretation
Das Gedicht "Zwei Bübchen sah ich heut" von Paul Heyse handelt von zwei Jungen, die in ärmlichen Verhältnissen leben. Der eine Junge ist barfuß, während der andere Stiefel trägt. Die Stiefel sind zwar abgenutzt und von der Zeit gezeichnet, doch der Junge, der sie besitzt, strahlt vor Stolz und Freude. Der barfüßige Junge betrachtet seinen Spielgefährten mit Neid, da dieser mit seinen Stiefeln prahlt. Der Junge mit den Stiefeln hat einen Soldo erbettelt und gibt diesen einem Stiefelputzer, um seine Schuhe putzen zu lassen. Dabei grinst er von einem Ohr zum anderen und blickt triumphierend auf die Welt. Das Gedicht verdeutlicht die Bedeutung von Besitz und Status, selbst in den ärmsten Verhältnissen. Der Junge mit den Stiefeln fühlt sich durch den Besitz und die Pflege seiner Schuhe wie ein "Signore" (Herr), was ihm ein Gefühl von Stolz und Überlegenheit verleiht. Das Gedicht zeigt, wie selbst kleine Dinge wie ein Paar Stiefel das Selbstwertgefühl und die soziale Stellung eines Menschen beeinflussen können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Grinsend vom einen bis zum andern Ohre
- Ironie
- Und wer sie putzen läßt, ist ein Signore
- Metapher
- Fast wie das Messer ohne Griff und Schneide
- Personifikation
- wie sich der Freund mit seinem Schuhwerk brüstet
- Vergleich
- Fast wie das Messer ohne Griff und Schneide