Zwei Augen wie Sterne

Karoline von Günderode

1793

Zwei Augen wie Sterne Die sähen so gerne Das wonnige Licht, Und dürfen es nicht; Die hellen Karfunklen Die könnten verdunklen Das sonnige Licht, Und dürfen es nicht. O Liebesverlangen! In Kerker gefangen, Sind die Augen so minniglich, Die Lippen so wonniglich, Die Worte die milden, Die Locken so gülden, Es bricht mir das Herz Vor Leidmuth und Schmerz. Ich sehe bis an den Tod Die Lippen rosinroth Und sollt ich nimmer genesen, Dächt ich doch an ihr minniglich Wesen, An ihr Blicken so mild, An das schönste Frauenbild, Und sollt ich Schmach und Tod erwerben Das Mägdlein minnt ich und sollt ich sterben

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Illustration zu Zwei Augen wie Sterne

Interpretation

Das Gedicht "Zwei Augen wie Sterne" von Karoline von Günderode thematisiert die unerfüllte Liebe und das damit verbundene Leid des lyrischen Ichs. Die ersten Strophen vergleichen die Augen der Geliebten mit Sternen, die gerne das Licht sehen möchten, es aber nicht dürfen. Dies symbolisiert die Sehnsucht nach Liebe und Nähe, die durch äußere Umstände verhindert wird. Die "hellen Karfunklen" (Rubine) könnten das Licht verdunkeln, was auf die intensive Wirkung der Schönheit der Geliebten hinweist, die jedoch ebenfalls nicht erlaubt ist. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Gefangenschaft der Liebe im "Kerker" beschrieben. Alle Merkmale der Geliebten, wie ihre Augen, Lippen, Worte und Locken, werden als besonders anziehend und begehrenswert dargestellt. Das lyrische Ich leidet unter der Trennung und dem Verbot, die Liebe auszuleben, was zu tiefer Trauer und Schmerz führt. Die Schönheit der Geliebten ist so überwältigend, dass sie selbst den Tod nicht aus dem Gedanken an sie vertreiben kann. Trotz der Aussicht auf Schmach und Tod bleibt die Liebe des lyrischen Ichs ungebrochen. Die letzte Strophe betont die bedingungslose Hingabe und die Bereitschaft, für die Geliebte zu sterben. Das Gedicht vermittelt die Intensität und die Verzweiflung unerfüllter Liebe, die das Herz des lyrischen Ichs zerbricht, aber auch die unerschütterliche Treue und das Verlangen nach der Geliebten, selbst angesichts des Todes.

Schlüsselwörter

sollt augen licht dürfen minniglich lippen tod zwei

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Stilmittel

Alliteration
Vor Leidmuth und Schmerz
Bildsprache
An ihr Blicken so mild, / An das schönste Frauenbild
Hyperbel
Es bricht mir das Herz
Kontrast
Die hellen Karfunklen / Die könnten verdunklen / Das sonnige Licht
Metapher
Zwei Augen wie Sterne
Personifikation
Die sähen so gerne
Vergleich
Die Lippen rosinroth
Wiederholung
Und dürfen es nicht