Zur Unzeit

Adelbert von Chamisso

unknown

Ich wollte, wie gerne, dich herzen, Dich wiegen in meinem Arm, Dich drücken an meinem Herzen, Dich hegen so traut und so warm.

Man verscheuchet mit Rauch die Fliegen, Mit Verdrießlichkeit wohl den Mann; Und wollt ich an dich mich schmiegen, Ich täte nicht weise daran.

Wohl zieht vom strengen Norden Ein trübes Gewölk herauf, Ich bin ganz stille geworden, Ich schlage die Augen nicht auf.

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Interpretation

Das Gedicht "Zur Unzeit" von Adelbert von Chamisso handelt von der unerfüllten Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Nähe und Zärtlichkeit. Das Ich sehnt sich danach, die geliebte Person zu umarmen, zu wiegen und an sein Herz zu drücken, um sie warm und behütet zu halten. Diese Sehnsucht wird jedoch durch die Erkenntnis der Unangemessenheit des eigenen Verlangens gedämpft. Das lyrische Ich vergleicht seine Situation mit dem Vertreiben von Fliegen mit Rauch oder dem Abwehren eines Mannes durch Verdrießlichkeit. Es kommt zu dem Schluss, dass ein Versuch, sich an die geliebte Person zu schmiegen, nicht klug wäre. Dies deutet auf eine emotionale Distanz oder Ablehnung hin, die das Ich zu spüren glaubt und die es veranlasst, von seinem Wunsch abzulassen. Die letzte Strophe führt eine metaphorische Ebene ein, indem sie ein trübes Gewölk erwähnt, das vom strengen Norden heraufzieht. Das Ich hat sich in Stille zurückgezogen und die Augen geschlossen, was auf eine Resignation oder eine innere Erstarrung hindeutet. Das Gedicht endet mit einem Bild der Passivität und des Rückzugs, das die Unfähigkeit des Ichs ausdrückt, seine Sehnsucht zu erfüllen oder aktiv zu werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Dich wiegen in meinem Arm, Dich drücken an meinem Herzen, Dich hegen so traut und so warm
Kontrast
Ich wollte, wie gerne, dich herzen / Ich täte nicht weise daran
Metapher
Man verscheuchet mit Rauch die Fliegen, Mit Verdrießlichkeit wohl den Mann
Personifikation
Wohl zieht vom strengen Norden Ein trübes Gewölk herauf
Symbolik
Ein trübes Gewölk herauf