Zur Nacht

Theodor Storm

1852

Vorbei der Tag! Nun laß mich unverstellt Genießen dieser Stunde vollen Frieden! Nun sind wir unser; von der frechen Welt Hat endlich uns die heilige Nacht geschieden.

Laß einmal noch, eh sich dein Auge schließt, Der Liebe Strahl sich rückhaltlos entzünden; Noch einmal, eh im Traum sie sich vergißt, Mich deiner Stimme lieben Laut empfinden!

Was gibt es mehr! Der stille Knabe winkt Zu seinem Strande lockender und lieber; Und wie die Brust dir atmend schwellt und sinkt, Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber.

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Illustration zu Zur Nacht

Interpretation

Das Gedicht "Zur Nacht" von Theodor Storm beschreibt die Ruhe und Intimität, die mit dem Einbruch der Nacht einkehrt. Der Sprecher freut sich auf die Stunde des Friedens, in der er und sein Geliebter ungestört von der "frechen Welt" sind. Die Nacht wird als heilige Zeit dargestellt, die das Paar von den Sorgen des Tages trennt und ihnen erlaubt, sich voll und ganz einander zu widmen. In der zweiten Strophe bittet der Sprecher seinen Geliebten, noch einmal den Strahl der Liebe entzünden zu lassen, bevor sie einschlafen. Er möchte die Stimme seines Liebsten noch einmal hören und die Zärtlichkeit ihrer Beziehung spüren, bevor sie im Traum vergessen wird. Dies unterstreicht die Intensität der Gefühle und die Sehnsucht nach Nähe und Verbundenheit. Die letzte Strophe leitet den Übergang zum Schlaf ein. Der "stille Knabe" (vermutlich eine Anspielung auf den Gott des Schlafes) winkt das Paar zu seinem Strand, einem Ort der Ruhe und des Friedens. Die Welle des Schlummers trägt sie sanft hinüber, während ihre Brust im Rhythmus des Atmens schwillt und sinkt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Geborgenheit und des Einsseins, das der Schlaf und die Nacht dem Paar schenken.

Schlüsselwörter

laß einmal vorbei tag unverstellt genießen stunde vollen

Wortwolke

Wortwolke zu Zur Nacht

Stilmittel

Alliteration
Schließt, Der Liebe Strahl sich
Anapher
Noch einmal, eh im Traum sie sich vergißt
Bildsprache
Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber
Hyperbel
Der Liebe Strahl sich rückhaltlos entzünden
Kontrast
Vorbei der Tag! Nun laß mich unverstellt Genießen dieser Stunde vollen Frieden
Metapher
Der stille Knabe winkt zu seinem Strande lockender und lieber
Personifikation
Die heilige Nacht hat uns geschieden