Zur Mörike-Feier in Stuttgart

Friedrich Theodor Vischer

1888

am 4. Mai 1876 gesprochen bei Bekränzung der Büste des Dichters.

Wir wissen’ s wohl: du würdest dich erwehren; Du liebtest nicht die öffentlichen Ehren, Nicht vorzuglänzen war dein keuscher Wille Und deine süße Freundin war die Stille. Wir aber hier in dunkeln Körperschranken, – Verzeih’, o sel’ger Geist, – um dir zu danken, So stille, wie du möchtest, nein! So stille können wir nicht sein.

Doch fürchte Nichts! Wir sind nicht allzulaut, Wir bitten nur ganz sachte, ganz vertraut: Auf deiner Stirne sanfte Geisterhügel, Umweht von fremder Lüfte weichem Flügel, Nimm, von Apollo’s dunklem Blatt belaubt, Den schlichten Kranz – du trägst ihn leicht, Den Kranz, dem doch kein andrer gleicht, – Es grünt dein Ruhm und wächst dir über’s Haupt.

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Illustration zu Zur Mörike-Feier in Stuttgart

Interpretation

Das Gedicht "Zur Mörike-Feier in Stuttgart" von Friedrich Theodor Vischer wurde am 4. Mai 1876 bei der Kränzung der Büste des Dichters gesprochen. Es handelt von der Feier zu Ehren von Eduard Mörike, einem bedeutenden deutschen Dichter. Das Gedicht beginnt mit der Erkenntnis, dass Mörike sich gegen öffentliche Ehrungen gewehrt hätte, da er die Stille und Zurückgezogenheit bevorzugte. Die Sprecher des Gedichts bitten um Verzeihung für ihre öffentliche Würdigung, da sie Mörikes Geist danken möchten. Sie betonen, dass sie nicht allzu laut sein werden und nur sanft und vertraut um Mörikes Gunst bitten. Das Gedicht beschreibt Mörikes Stirn als sanfte Geisterhügel, umweht von weichen Flügeln fremder Lüfte. Der Sprecher bittet Mörike, den schlichten Kranz, der von Apollos dunklem Blatt umgeben ist, auf seiner Stirn zu tragen. Der Kranz wird als einzigartig beschrieben und soll Mörikes Ruhm zum Wachsen bringen. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass der Kranz Mörikes Ruhm über sein Haupt wachsen lassen wird. Das Gedicht ist eine Hommage an Eduard Mörike und seine Bedeutung als Dichter. Es drückt die Bewunderung und Dankbarkeit der Sprecher für Mörikes Werk aus, während es gleichzeitig seine Vorliebe für Stille und Zurückgezogenheit respektiert. Das Gedicht ist eine gelungene Mischung aus Ehrfurcht und Vertrautheit und zeigt die tiefe Verbundenheit der Sprecher mit Mörike und seinem Werk.

Schlüsselwörter

stille ganz kranz mai gesprochen bekränzung büste dichters

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Wir wissen' s wohl: du würdest dich erwehren; Du liebtest nicht die öffentlichen Ehren, Nicht vorzuglänzen war dein keuscher Wille
Anspielung
Apollo's dunklem Blatt belaubt
Bildlichkeit
Nimm, von Apollo's dunklem Blatt belaubt, Den schlichten Kranz
Kontrast
So stille, wie du möchtest, nein! So stille können wir nicht sein
Metapher
Es grünt dein Ruhm und wächst dir über's Haupt
Personifikation
Doch fürchte Nichts! Wir sind nicht allzulaut