Zur Beruhigung

Heinrich Heine

1848

Wir schlafen ganz, wie Brutus schlief - Doch jener erwachte und bohrte tief In Cäsars Brust das kalte Messer! Die Römer waren Tyrannenfresser.

Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak. Ein jedes Volk hat seinen Geschmack, Ein jedes Volk hat seine Größe; In Schwaben kocht man die besten Klöße.

Wir sind Germanen, gemütlich und brav, Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf, Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten, Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten.

Wir sind so treu wie Eichenholz, Auch Lindenholz, drauf sind wir stolz; Im Land der Eichen und der Linden Wird niemals sich ein Brutus finden.

Und wenn auch ein Brutus unter uns wär, Den Cäsar fänd er nimmermehr, Vergeblich würd er den Cäsar suchen; Wir haben gute Pfefferkuchen.

Wir haben sechsunddreißig Herrn (Ist nicht zuviel!), und einen Stern Trägt jeder schützend auf seinem Herzen, Und er braucht nicht zu fürchten die Iden des Märzen.

Wir nennen sie Väter, und Vaterland Benennen wir dasjenige Land, Das erbeigentümlich gehört den Fürsten; Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten.

Wenn unser Vater spazierengeht, Ziehn wir den Hut mit Pietät; Deutschland, die fromme Kinderstube, Ist keine römische Mördergrube.

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Illustration zu Zur Beruhigung

Interpretation

Das Gedicht "Zur Beruhigung" von Heinrich Heine kontrastiert die deutsche Nation mit dem antiken Rom, um die friedliche und zufriedene Natur des deutschen Volkes zu betonen. Es beginnt mit einem Vergleich zu Brutus und Caesar, der die römische Bereitschaft zur Tyranneibekämpfung symbolisiert. Im Gegensatz dazu werden die Deutschen als friedliebend und zufrieden dargestellt, die sich dem Tabakkonsum und dem Genuss von Speisen wie Klößen und Sauerkraut widmen. Heine verwendet den Begriff "Germanen", um die Deutschen als gemütlich und brav zu beschreiben, die einen gesunden "Pflanzenschlaf" pflegen und nach dem Erwachen eher Durst als den Wunsch nach Blut verspüren. Die Treue der Deutschen wird mit der Beständigkeit von Eichen- und Lindenholz verglichen, was ihre Zuverlässigkeit und Standhaftigkeit unterstreicht. Heine betont, dass in einem solchen Land niemals ein Brutus zu finden sein wird, was die Abwesenheit von revolutionärem oder tyrannenmörderischem Geist impliziert. Im letzten Teil des Gedichts wird die deutsche Monarchie als friedlich und harmlos dargestellt. Die sechsunddreißig Herrscher werden mit Sternen verglichen, die schützend über das Volk wachen, und es wird versichert, dass sie sich keine Sorgen um die "Iden des März" machen müssen, ein Verweis auf die Ermordung Caesars. Heine schließt mit der Feststellung, dass Deutschland ein "frommer Kinderstube" ist, im Gegensatz zur "römischen Mördergrube", und betont damit die Unschuld und Friedfertigkeit der deutschen Gesellschaft.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anspielung
Doch jener erwachte und bohrte tief In Cäsars Brust das kalte Messer
Bildsprache
Trägt jeder schützend auf seinem Herzen
Gegensatz
Ist keine römische Mördergrube
Hyperbel
Die Römer waren Tyrannenfresser
Ironie
Und wenn auch ein Brutus unter uns wär, Den Cäsar fänd er nimmermehr
Kontrast
Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak
Metapher
Deutschland, die fromme Kinderstube
Personifikation
Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten
Symbolik
Wir sind so treu wie Eichenholz
Untertreibung
Wir haben sechsunddreißig Herrn (Ist nicht zuviel!)
Vergleich
Wir sind Germanen, gemütlich und brav