Zuneignung

Joseph Christian von Zedlitz

1790

Wem ich die Blumen meines Sanges streue, Forscht Ihr von mir, und seht mich fragend an? Der ich mein Herz und meine Seele weihe, Ihr sind auch diese Blüthen unterthan. O, daß die Himmlische sich ihrer freue, Wohl schönern Lohn kein Sänger je gewann! O, möge ihr mein tönend Spiel gefallen, Der Einen nur, die herrlich unter Allen!

Zu ihrem Preise soll in späten Tagen Mein Lied noch tönen aus der Enkel Mund; Den holden Namen soll’s zur Nachwelt tragen, Ihr hohes Lob thu’ es begeisternd kund; Wie Sänger einst die Saiten angeschlagen, In ew’gen Liedern feiernd solchen Bund, Gleich wie Petrark, hoch über alle Sterne Trüg’ ich den Ruhm der Heißgeliebten gerne! –

O, möcht’ der Lorbeer mich, wie ihn, umwinden! Der heil’ge Zweig um meine Stirne blühn: Dann würd’ ich ihn um Schläfe winden, Den dunkeln Kranz durch helle Locken ziehn. Kein schön’res Haupt kann ich zu schmücken finden, Dort soll er wehn in ewig jungem Grün. – Doch wie? – macht mich ein Traum des Seyns vergessen? Ich schenke das – was nimmer ich besessen!

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Illustration zu Zuneignung

Interpretation

Das Gedicht "Zuneignung" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von der tiefen Hingabe eines Sängers an eine geliebte Frau. Der Sprecher widmet seine poetischen Werke und sein Herz dieser Frau, die er als himmlisch und einzigartig unter allen preist. Er wünscht sich, dass seine Lieder sie erfreuen und dass sein Name in späteren Generationen als derjenige bekannt wird, der ihre Schönheit und ihren Ruhm besingt. Der Dichter vergleicht sich mit Petrarca, der seine Geliebte Laura in ewigen Liedern feierte und deren Ruhm er gerne über alle Sterne tragen würde. Im zweiten Teil des Gedichts drückt der Sprecher den Wunsch aus, mit einem Lorbeerkranz geschmückt zu werden, der ihn als großen Dichter auszeichnet. Er träumt davon, diesen Kranz um seine Stirn zu winden und ihn durch seine hellen Locken ziehen zu lassen. Doch dann wird er von einem Zweifel geplagt: Was, wenn er diesen Traum nur träumt und vergisst, was wirklich zählt? Der Dichter erkennt, dass er etwas schenkt, was er nie besessen hat - die wahre Liebe und Hingabe der Frau, die er verehrt. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Leidenschaft und das Streben eines Dichters nach Unsterblichkeit durch seine Werke und die Verehrung einer geliebten Frau. Es zeigt die Höhen und Tiefen der künstlerischen Schöpfung und die Sehnsucht nach Anerkennung und ewiger Liebe.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
tönend Spiel
Anspielung
Gleich wie Petrark, hoch über alle Sterne
Bildsprache
Den dunkeln Kranz durch helle Locken ziehn
Hyperbel
Wohl schönern Lohn kein Sänger je gewann
Ironie
Ich schenke das – was nimmer ich besessen!
Metapher
Die Blumen meines Sanges streue
Personifikation
Der Einen nur, die herrlich unter Allen
Vergleich
Wie Sänger einst die Saiten angeschlagen