Zum Verkauf eines Rembrandtbildes

Hanns von Gumppenberg

1866

Große Kunst ist nur zu lohnen Mit Millionen, mit Millionen! Voll Begeist′rung schreit′s die Welt, Opfert gern ihr schönstes Geld, Wann es zu erwerben gilt Ein signiertes Meisterbild! Doch Bedingung ist dabei: Daß der Meister tot schon sei.

Schuldenreich und guldenarm Schied Herr Rembrandt aus dem Schwarm: Aber jetzt - man lach′ und weine - Durch ein einzig Bild, dies eine, Würd′ er Doppelmillionär .. Wenn er noch vorhanden wär′.

Ihr Begeisterten und Reichen! Ob nicht etwa seinesgleichen Heute duldet, ringt und schafft In des Mangels harter Haft? Könntet ihr nicht - so daneben - Die auch lohnen, die noch leben? Wollt - man stirbt ja ziemlich schnell - Wenigstens nicht prinzipiell Sie so grausam ignorieren, Weil sie - pfui! - noch existieren.

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Illustration zu Zum Verkauf eines Rembrandtbildes

Interpretation

Das Gedicht "Zum Verkauf eines Rembrandtbildes" von Hanns von Gumppenberg kritisiert die Kunstwelt und deren Umgang mit lebenden Künstlern. Es thematisiert die paradoxe Situation, dass große Kunst erst nach dem Tod des Künstlers mit enormen Summen belohnt wird, während lebende Künstler oft in finanziellen Nöten schuften. Gumppenberg verwendet das Beispiel des berühmten Malers Rembrandt, der zu Lebzeiten verschuldet und arm starb, um diesen Widerspruch zu verdeutlichen. Das Gedicht wirft die Frage auf, ob es nicht auch heute noch talentierte Künstler gibt, die in ähnlicher Weise leiden, weil die Gesellschaft erst nach ihrem Tod bereit ist, ihre Werke zu würdigen und zu bezahlen. Durch die Verwendung von rhetorischen Fragen und direkten Appellen an das Publikum, die "Begeisterten und Reichen", fordert Gumppenberg zu einer Reflexion über den Wert von Kunst und Künstlern auf. Er suggeriert, dass die Gesellschaft einen Fehler macht, indem sie nur tote Künstler wertschätzt und lebende Künstler ignoriert. Das Gedicht endet mit einem Appell, lebende Künstler nicht prinzipiell zu ignorieren, nur weil sie noch existieren. Gumppenberg nutzt dabei eine Mischung aus Sarkasmus und Ernsthaftigkeit, um seine Botschaft zu übermitteln und den Leser zum Nachdenken anzuregen. Die Struktur des Gedichts, mit seinen Reimen und dem rhythmischen Fluss, unterstützt die emotionale Wirkung der Botschaft. Die Wiederholung von "Millionen" und der Kontrast zwischen der Begeisterung für den Kauf eines Meisterwerks und der Gleichgültigkeit gegenüber dem Künstler zu Lebzeiten verstärken die Kritik an der Kunstwelt. Gumppenberg schafft es, durch die geschickte Verwendung von Sprache und Form, eine tiefe und nachhaltige Reflexion über den Wert von Kunst und die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber Künstlern zu provozieren.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Große Kunst ist nur zu lohnen
Anapher
Mit Millionen, mit Millionen!
Chiasmus
Wollt - man stirbt ja ziemlich schnell - Wenigstens nicht prinzipiell Sie so grausam ignorieren
Hyperbel
Durch ein einzig Bild, dies eine, Würd′ er Doppelmillionär ..
Ironie
Weil sie - pfui! - noch existieren
Kontrast
Doch Bedingung ist dabei: Daß der Meister tot schon sei.
Metapher
Opfert gern ihr schönstes Geld
Personifikation
Schuldenreich und guldenarm Schied Herr Rembrandt aus dem Schwarm
Rhetorische Frage
Könntet ihr nicht - so daneben - Die auch lohnen, die noch leben?