Zum Kölner Domfest

Theodor Fontane

1880

(15. Oktober 1880)

Ersehnter Tag! Inmitten lichten Glanzes Erhebt sich Pfeilerwald und Schiff und Chor, Aus der Umgrenzung eines Zinnenkranzes Ins Unbegrenzte steigt der Knauf empor; Aus Teil- und Stückwerk endlich ward ein Ganzes, Und Furcht erlag, und Zweifelsucht verlor, Und mit den Türmen schwingt sich auf nach oben Ein Lobgesang: Laßt uns den Herren loben!

Und wer ihn hört, aufjubelnder erscholl er In keiner Stund′, an keiner Stelle wohl, Und alle Pulse schlagen freud′ger, voller: Ein Ideal, es ward uns zum Idol; Eins wurde Hohenstauf und Hohenzoller, Und dieser Dom ist dessen uns Symbol, Und wie nach Maß und Schönheit ohnegleichen, Ist er zugleich uns unsrer Einheit Zeichen.

Ein Einheits-Zeichen! Ach, und doch gespalten, Uneinheitlich des Volkes Herz und Sinn - Ersehnter Tag, in deines Mantels Falten Nimm, eh′ du scheidest, unsren Zwiespalt hin! Laß Einigkeit aus Einheit sich gestalten, Aus ihr erblüht der größere Gewinn, Und klingst du, hohe Kaiserglocke, heute: Versöhnung, Friede sei dein erst Geläute!

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Illustration zu Zum Kölner Domfest

Interpretation

Das Gedicht "Zum Kölner Domfest" von Theodor Fontane beschreibt die Erhebung des Kölner Doms als Symbol für Einheit und Vollkommenheit. Der Dichter schildert die imposante Architektur des Doms, der aus einzelnen Teilen zu einem Ganzen geworden ist. Der Dom wird als Ideal und Idol verehrt, das die Hohenstaufen und Hohenzollern vereint. Er ist ein Zeichen der Einheit und des Maßes, das den Menschen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelt. Doch trotz der Einheit, die der Dom symbolisiert, ist das Herz und der Sinn des Volkes gespalten und uneinheitlich. Der Dichter bittet den Tag des Domfestes, die Zwiespälte der Menschen in seinen Falten aufzunehmen. Er hofft, dass aus der Einheit des Doms eine Einigkeit entstehen möge, die einen größeren Gewinn bringt. Der Klang der Kaiserglocke soll Versöhnung und Frieden verkünden. Das Gedicht endet mit dem Wunsch, dass die erste Botschaft der Glocke Versöhnung und Frieden sei. Der Dichter hofft, dass der Kölner Dom als Symbol der Einheit dazu beitragen kann, die Zwiespältigkeit des Volkes zu überwinden und einen Zustand des Friedens und der Einigkeit herbeizuführen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Appell
Nimm, eh′ du scheidest, unsren Zwiespalt hin!
Hyperbel
Aufjubelnder erscholl er In keiner Stund′, an keiner Stelle wohl
Kontrast
Ein Einheits-Zeichen! Ach, und doch gespalten
Metapher
Aus ihr erblüht der größere Gewinn
Personifikation
Und mit den Türmen schwingt sich auf nach oben Ein Lobgesang
Symbolik
Und dieser Dom ist dessen uns Symbol