Zum Einschlafen zu sagen

Rainer Maria Rilke

1900

Ich möchte jemanden einsingen, bei jemandem sitzen und sein. Ich möchte dich wiegen und kleinsingen und begleiten schlafaus und schlafein. Ich möchte der Einzige sein im Haus, der wüßte: die Nacht war kalt. Und möchte horchen herein und hinaus in dich, in die Welt, in den Wald. Die Uhren rufen sich schlagend an, und man sieht der Zeit auf den Grund. Und unten geht noch ein fremder Mann und stört einen fremden Hund. Dahinter wird Stille. Ich habe groß die Augen auf dich gelegt; und sie halten dich sanft und lassen dich los, wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

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Interpretation

Das Gedicht "Zum Einschlafen zu sagen" von Rainer Maria Rilke beschreibt das tiefe Verlangen des lyrischen Ichs, jemandem Trost und Geborgenheit zu spenden. Das Ich möchte den Schlafenden in den Schlaf wiegen, ihn begleiten und für ihn da sein. Es sehnt sich danach, der Einzige zu sein, der die Kälte der Nacht kennt und der aufmerksam die Welt um sich herum wahrnimmt. Die Welt scheint in dieser Nacht wach und lebendig, die Uhren schlagen, ein Mann geht vorbei und ein Hund bellt. Doch dann kehrt die Stille zurück und das lyrische Ich richtet seine volle Aufmerksamkeit auf den Schlafenden. Die Augen des Ichs halten den Schlafenden sanft, doch sie lassen ihn auch los, wenn sich etwas im Dunkeln bewegt. Dies könnte als Metapher für die Unsicherheit und Verletzlichkeit des Schlafenden interpretiert werden, der zwar geborgen ist, aber auch den Gefahren der Nacht ausgesetzt ist. Das Gedicht vermittelt eine tiefe emotionale Intimität und Zärtlichkeit. Das lyrische Ich möchte dem Schlafenden ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Die Beschreibung der Nacht als kalt und die Aufmerksamkeit für die kleinsten Geräusche und Bewegungen in der Dunkelheit verstärken das Gefühl der Verletzlichkeit und des Schutzes. Das Gedicht ist ein Plädoyer für die Kraft der Liebe und des Mitgefühls, die in der Dunkelheit der Nacht Trost und Sicherheit spenden können.

Schlüsselwörter

möchte jemanden einsingen jemandem sitzen wiegen kleinsingen begleiten

Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Ich möchte horchen herein und hinaus in dich, in die Welt, in den Wald
Gegenüberstellung
Und unten geht noch ein fremder Mann und stört einen fremden Hund
Metapher
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
Parallelismus
Ich möchte jemanden einsingen, bei jemandem sitzen und sein
Personifikation
Die Uhren rufen sich schlagend an
Symbolik
Die Nacht war kalt
Wiederholung
schlafaus und schlafein