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Zum Eingang

Von

Ein Priester sei der Dichter immerfort,
Er wahre treu der Dichtung heiligen Hort.
Im Rausch des Wahnsinns geb‘ er flammend kund:
Die Offenbarung aus der Gottheit Mund.
Ganz poch‘ in seiner Brust der Menschheit Herz,
Ganz ström‘ er aus der Menschheit Lust und Schmerz.
Er sei Prophet, der in der tiefsten Nacht
Die Sehnsucht nach dem Lichte neu entfacht.
Er sei ein König in der Schönheit Reich,
Der sündigen Menschheit Heiland allzugleich.
Er sei die Flamme, die da ewig brennt,
Die Sonne an der Völker Firmament,
Nicht eher dann verklingt des Sanges Schall,
Bis daß der letzte Mensch erstarb im All.

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Gedicht: Zum Eingang von Wilhelm Arent

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Zum Eingang“ von Wilhelm Arent ist eine programmatische Dichtung, die das Selbstverständnis und die Aufgabe des Dichters in einem hohen, idealistischen Ton beschreibt. Es ist ein Manifest für die Rolle des Dichters als einer Person, die eine Verbindung zur Gottheit hat und die Menschheit durch ihre Kunst erlösen soll. Der Dichter wird hier als eine zentrale Figur dargestellt, die in der Lage ist, die höchsten menschlichen Emotionen und Erfahrungen auszudrücken und zu formen.

Arents Gedicht verwendet eine Reihe von Metaphern und Bildern, um diese Ideale zu veranschaulichen. Der Dichter ist ein „Priester“, der das „heiligen Hort“ der Dichtung bewahrt, was auf die Ehrfurcht und Verantwortung hinweist, die mit der Kunst verbunden sind. Er ist ein „Prophet“, der in der „tiefsten Nacht“ nach dem „Lichte“ strebt und so Hoffnung und Erneuerung verkörpert. Der Dichter ist auch ein „König“ in der „Schönheit Reich“, eine Figur, die Herrschaft und kreative Kraft in sich vereint, und sogar ein „Heiland“ für die sündige Menschheit. Diese Überhöhungen unterstreichen die Vorstellung, dass der Dichter eine übermenschliche Rolle innehat.

Das Gedicht betont die Fähigkeit des Dichters, die „Offenbarung aus der Gottheit Mund“ zu empfangen und die „Menschheit Lust und Schmerz“ in sich aufzunehmen. Dieser Anspruch auf umfassende Anteilnahme und Ausdrucksfähigkeit spiegelt das romantische Ideal der Dichtung wider, das die Kunst als Spiegel der Welt und des menschlichen Inneren betrachtet. Die „Flamme, die da ewig brennt“ und die „Sonne an der Völker Firmament“ unterstreichen die zeitlose und universelle Bedeutung der Dichtkunst, die über den Tod des Einzelnen hinaus wirken soll.

Die letzte Strophe des Gedichts, die den anhaltenden Wert der Dichtkunst bis zum „letzten Menschen“ im „All“ hervorhebt, verstärkt diese Botschaft. Dies ist ein erhabener Anspruch auf Unsterblichkeit durch die Kunst, der die Macht des Dichters hervorhebt, die Welt und die menschliche Existenz zu beeinflussen. Das Gedicht ist also eine Hommage an die Macht und Bedeutung der Poesie, die über alle Grenzen hinweg gültig sein soll und dem Dichter eine einzigartige Position in der Gesellschaft zuweist.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.