Zum Bilde Scheffels

Felix Dahn

unknown

Ja, das ist meines lieben Victor Antlitz! Schlicht, treu und fest und deutsch in Ernst und Scherz: So blickte er, wann er zu Radolfszell, Erfreut, bewegt, der Jugendzeit gedenk, Mich in die Arme schloß und zur »Seehalde« Den grünen Angerpfad hinan mich führte! - Den schau′ Dir an, Du theure deutsche Jugend, Und dank′ ihm immerdar, daß er Dir reichte Aus deutscher Vorzeit quellbornfrischen Trank: Denn, was frivol, krank, süßlich und salonhaft, War ihm verhaßt: ein treuer Eckhard war er: Ihn sollt Ihr werth und hoch und theuer halten, So lang′ in Wolken ragt der Hohentwiel, Frau Aventiure auf den Straßen geistert, So lang′ des Alamannenlands Saphir, Der Bodensee, noch glänzt in lichter Bläue, So lang′ noch deutscher Dichtung Wort ertönt: Mit ihm vergleiche keiner sich, der lebt, Und keiner seinesgleichen kehrt uns wieder!

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Interpretation

Das Gedicht „Zum Bilde Scheffels“ von Felix Dahn ist eine Hommage an Victor Scheffel, einen bedeutenden deutschen Dichter. Der Sprecher erinnert sich an Scheffels ehrliches und treues Gesicht, das er bei einem Wiedersehen in Radolfszell wahrgenommen hat. Die Begegnung ist von Emotionen wie Freude und Rührung geprägt, da Scheffel den Sprecher an einen grünen Pfad zur „Seehalde“ führt. Dieser Ort scheint eine besondere Bedeutung zu haben, möglicherweise als Ort der Inspiration oder der gemeinsamen Erinnerungen. Der Sprecher wendet sich direkt an die „deutsche Jugend“ und ermahnt sie, Scheffel zu betrachten und ihm ewig zu danken. Scheffel habe der Jugend „quellbornfrischen Trank“ aus der deutschen Vorzeit gereicht, was metaphorisch für seine Werke und deren Verbindung zur deutschen Kultur und Geschichte steht. Der Sprecher betont, dass Scheffel alles Verachtete, was frivol, krank, süßlich und salonhaft war, und vergleicht ihn mit dem treuen Eckhard, einer Figur aus dem Nibelungenlied, die für ihre Tapferkeit und Treue bekannt ist. Der Sprecher fordert die Jugend auf, Scheffel wert, hoch und teuer zu halten, solange bestimmte Symbole der deutschen Kultur und Landschaft bestehen. Dazu gehören der Hohentwiel, ein Berg in Baden-Württemberg, die Frau Aventiure, eine allegorische Figur für das mittelalterliche höfische Erzählgut, der Bodensee als „Saphir des Alamannenlands“ und die deutsche Dichtung selbst. Der Sprecher schließt mit der Aussage, dass sich niemand, der lebt, mit Scheffel vergleichen sollte, und dass keiner seinesgleichen wiederkommen wird, was die Einzigartigkeit und Unvergleichbarkeit Scheffels unterstreicht.

Schlüsselwörter

lang deutscher keiner lieben victor antlitz schlicht treu

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Stilmittel

Anapher
So lang′ in Wolken ragt der Hohentwiel, / Frau Aventiure auf den Straßen geistert, / So lang′ des Alamannenlands Saphir, / Der Bodensee, noch glänzt in lichter Bläue, / So lang′ noch deutscher Dichtung Wort ertönt
Hyperbel
Mit ihm vergleiche keiner sich, der lebt
Metapher
Schlicht, treu und fest und deutsch in Ernst und Scherz
Personifikation
Frau Aventiure auf den Straßen geistert
Symbolik
Hohentwiel, Bodensee