Zum Abschied
1827Dies ist der Hag, wildgrün und weit, Den ich dereinst durchschritten In meiner Jugend Maienzeit Mit jugendfrischen Sitten.
Er liegt so schön, so duftiggrün. Er hat die alten wieder, Die Quelle springt, die Blumen blühn Wie sonst den Berghang nieder.
O meiner Jugend goldne Zeit, Nur du bist hingeronnen, Die alte stille Seligkeit, Die alten, süßen Wonnen!
Fremd ist die Welt, gar vieles brach, Manch Herz mir nicht mehr glühet, Galt weht der Wind, der Rosenhag Der Jugend ist verblühet.
Nur in den Liedern, die ich sang In jugendfrischen Tagen, Kommt mir gleich fernem Glockenklang Ein Heimweh, nicht zu sagen!
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Interpretation
Das Gedicht "Zum Abschied" von Franz Alfred Muth beschreibt die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der verlorenen Jugendzeit. Der Dichter betrachtet einen Hag, einen mit Gehölz bewachsenen Berghang, der unverändert schön und duftend grün daliegt. Er erinnert sich daran, wie er in seiner Jugendzeit diesen Hag durchschritten hat, voller jugendlicher Frische und Sitten. Die Natur scheint unverändert, die Quelle sprudelt, die Blumen blühen wie einst, doch das lyrische Ich selbst hat sich verändert und ist dieser goldene Zeit davongegangen. Das lyrische Ich beklagt den Verlust der alten, stillen Seligkeit und der süßen Wonnen der Jugend. Die Welt ist fremd geworden, vieles hat sich zerschlagen, und viele Herzen glühen nicht mehr wie einst. Der Rosenhag der Jugend ist verblüht, und der Wind trägt einen kalten Klang. Das lyrische Ich fühlt sich fremd in der Welt und sehnt sich nach der verlorenen Jugendzeit zurück. In den Liedern, die das lyrische Ich in seiner Jugend gesungen hat, kommt ihm ein Heimweh, das nicht zu sagen ist. Die Lieder erinnern ihn an die ferne Glockenklang der Jugendzeit und wecken eine tiefe Sehnsucht nach der verlorenen Zeit. Das Gedicht endet mit einem bittersüßen Gefühl der Nostalgie und der Erkenntnis, dass die Jugendzeit unwiederbringlich vorbei ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- jugendfrischen Sitten
- Hyperbel
- Nicht mehr glühet
- Metapher
- Gleich fernem Glockenklang
- Personifikation
- Der Hag, wildgrün und weit