Zum Abschied meiner Tochter
1810Der Herbstwind schüttelt die Linde, Wie geht die Welt so geschwinde! Halte dein Kindelein warm. Der Sommer ist hingefahren, Da wir zusammen waren - Ach, die sich lieben, wie arm!
Wie arm, die sich lieben und scheiden! Das haben erfahren wir beiden, Mir graut vor dem stillen Haus. Dein Tüchlein läßt du noch wehen, Ich kann′s vor Tränen kaum sehen, Schau still in die Gasse hinaus.
Die Gassen schauen nochnächtlich, Es rasselt der Wagen bedächtig - Nun plötzlich rascher der Trott Durchs Tor in die Stille der Felder, Da grüßen so mutig die Wälder, Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!
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Interpretation
Das Gedicht "Zum Abschied meiner Tochter" von Joseph von Eichendorff beschreibt den emotionalen Abschied eines Vaters von seiner Tochter, die nun erwachsen geworden ist und das Elternhaus verlässt. Der Herbstwind, der die Linde schüttelt, symbolisiert den Wandel und die Vergänglichkeit des Lebens. Der Vater mahnt seine Tochter, sich warm zu halten, da der Sommer, der ihre gemeinsame Zeit symbolisiert, vorüber ist. Die Zeile "Ach, die sich lieben, wie arm!" drückt die Trauer und das Gefühl der Einsamkeit aus, das mit der Trennung einhergeht. Der zweite Teil des Gedichts zeigt die tiefe Trauer des Vaters, der nun allein im stillen Haus zurückbleibt. Er kann kaum auf das Tüchlein seiner Tochter blicken, ohne Tränen in den Augen zu haben, und schaut sehnsüchtig in die Gasse hinaus. Die Nacht ist noch jung, und das Geräusch des Wagens, der die Tochter wegfährt, wird zu einem bedeutsamen Moment. Die plötzliche Beschleunigung des Wagens durch das Tor in die Stille der Felder symbolisiert den Übergang ins Erwachsenenleben und die neue Welt, die der Tochter bevorsteht. Im letzten Teil des Gedichts begrüßen die Wälder die Tochter mutig, als sie ins neue Leben aufbricht. Der Vater wünscht ihr mit den Worten "Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!" einen guten und gesegneten Weg. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hoffnung und des Vertrauens, dass die Tochter trotz der Trennung in der neuen Welt ihren Platz finden wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Halte dein Kindelein warm
- Anapher
- Wie arm, die sich lieben und scheiden
- Metapher
- Der Herbstwind schüttelt die Linde
- Personifikation
- Die Gassen schauen nochnächtlich
- Vergleich
- Wie geht die Welt so geschwinde
- Wiederholung
- Wie arm, die sich lieben und scheiden