Zukunft

Sophie Friederike Brentano

1770

Wie auf ausgespannten Sturmesschwingen Eilt der Augenblick! - Den Flug der Zeit Hemmt kein Wunsch; des Herzens bange Stunden Schwinden hin, wie seine Seligkeit!

Weh den Armen, dessen trüben Sinnen Der Sekunge Glück vergebens blüht, Dem beim leisen Frühlingswehn der Freude Nicht entzückt die blasse Wange glüht!

Denn ach! bald verrauscht wie Morgenträume Unser Leben und der Vorhang sinkt. Wir erwachen; - neue fremde Szenen Warten unser, wo kein Leitstern winkt.

Welche dunkle, unbekannte Gegend Jenes fremden Landes, wo noch nie, Nie ein Pilger wiederkehrte, müssen Wir durchwandeln? Wer beschreibt uns sie?

Ewigkeit! Vernichtung! - zwischen beiden Bleibt der Sterbliche betroffen stehn, Harrt, daß ihm an der Erfahrung Grenze Soll ein höh´rer Strahl entgegenwehn.

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Illustration zu Zukunft

Interpretation

Das Gedicht "Zukunft" von Sophie Friederike Brentano beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit der Zeit und der Ungewissheit, die mit der Zukunft einhergeht. Der erste Teil des Gedichts verdeutlicht, wie schnell die Zeit vergeht und wie flüchtig sowohl die Sorgen als auch die Freuden des Herzens sind. Die Metapher des "ausgespannten Sturmesschwingen" unterstreicht die unaufhaltsame und oft unkontrollierbare Natur der Zeit, die kein menschlicher Wunsch aufhalten kann. Im zweiten Teil richtet sich das Gedicht an diejenigen, die in ihrer Melancholie gefangen sind und das Glück nicht erkennen oder genießen können. Die Bilder des "trüben Sinnen" und der "blassen Wange" evozieren ein Gefühl der Isolation und des Unglücks, das im Kontrast zu den lebendigen, farbenfrohen Beschreibungen des Frühlings steht. Hier wird das Thema der verpassten Chancen und der Unfähigkeit, das Leben in seiner Fülle zu erleben, betont. Der dritte Teil des Gedichts führt das Motiv des Erwachens ein, das den Übergang von einem Traumzustand in die Realität symbolisiert. Das Leben wird als flüchtig dargestellt, vergleichbar mit "Morgenträumen", die schnell verrauschen. Die "neuen fremden Szenen" und das Fehlen eines "Leitsterns" verweisen auf die Unsicherheit und die Unbekanntheit der Zukunft, die ohne klare Richtung oder Führung bevorsteht. Im letzten Teil des Gedichts wird die existenzielle Frage nach dem, was nach dem Tod kommt, aufgeworfen. Die "dunkle, unbekannte Gegend" und das "fremde Land", aus dem "nie ein Pilger wiederkehrte", symbolisieren das Jenseits oder das Unbekannte, das jeden erwartet. Die abschließenden Zeilen, die von "Ewigkeit" und "Vernichtung" sprechen, reflektieren die menschliche Angst vor dem Unbekannten und die Hoffnung auf Erleuchtung oder Erkenntnis, die jenseits der Erfahrungsgrenzen liegen könnte.

Schlüsselwörter

kein nie ausgespannten sturmesschwingen eilt augenblick flug zeit

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Trüben Sinnen
Hyperbel
Wo noch nie, Nie ein Pilger wiederkehrte
Kontrast
Ewigkeit! Vernichtung!
Metapher
Wo kein Leitstern winkt
Personifikation
Soll ein höh´rer Strahl entgegenwehn
Rhetorische Frage
Welche dunkle, unbekannte Gegend