Zu später Lohn

Heinrich Christian Boie

1806

Wann nach des Tages Sorg und Frohne Mich Abends nun entläßt die Pflicht, Und ich der Chinarose nicht Und nicht des Oleanders schone, Die Hand zur stolzen Anemone Bescheidenes Vergißmeinnicht, Schasmin, Resed und Myrthe bricht, Und der Begleiterin zur Krone Sie unter Scherz und Liedern flicht; In holder Anmut wie Dione Lacht dann das Mädchen mir und spricht: »Dir Altem gleich gibts wo ich wohne Der Sänger und der Gärtner nicht.« Und mit dem freundlichsten Gesicht Reicht sie mir einen Kuss zum Lohne. Warum sprach man in solchem Tone Vor zwanzig Jahren mir noch nicht?

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Interpretation

Das Gedicht "Zu später Lohn" von Heinrich Christian Boie handelt von einem älteren Mann, der sich am Abend seiner Pflichten entledigt und Blumen pflückt, um sie seiner Begleiterin als Krone zu flechten. Dabei erhält er von dem Mädchen, das ihn an die Göttin Dione erinnert, einen Kuss als Lohn. Der Mann reflektiert darüber, warum ihm solch eine Zuneigung in jungen Jahren nicht zuteilwurde. In den ersten Strophen beschreibt der Erzähler, wie er nach einem Tag voller Sorgen und Freuden am Abend die Zeit findet, Blumen zu pflücken. Er wählt verschiedene Blumen aus, darunter die Chinarose, den Oleander, die Anemone, das Vergissmeinnicht, den Schasmin, die Resed und die Myrthe. Mit diesen Blumen flicht er seiner Begleiterin eine Krone, begleitet von Scherz und Liedern. Die dritte Strophe zeigt die Reaktion des Mädchens, das den Erzähler an die Göttin Dione erinnert. Sie lacht ihn in "holden Anmut" an und sagt ihm, dass er als "Alter" bei ihr zu Hause weder als Sänger noch als Gärtner willkommen sei. Trotz dieser Worte reicht sie ihm freundlich einen Kuss als Lohn für seine Mühe. In der letzten Strophe fragt sich der Erzähler, warum ihm solche Zuneigung und Anerkennung in jungen Jahren nicht zuteilwurde. Er reflektiert über die vergangenen zwanzig Jahre und stellt fest, dass ihm damals niemand mit solch einem Ton begegnete. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Wehmut und der Erkenntnis, dass die Zeit vergangen ist und er nun erst spät die Anerkennung und Zuneigung erfährt, die er sich früher gewünscht hätte.

Schlüsselwörter

wann tages sorg frohne abends entläßt pflicht chinarose

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Stilmittel

Alliteration
Wann nach des Tages Sorg und Frohne
Hyperbel
Dir Altem gleich gibts wo ich wohne
Metapher
Und der Begleiterin zur Krone
Personifikation
Die Hand zur stolzen Anemone
Rhetorische Frage
Warum sprach man in solchem Tone Vor zwanzig Jahren mir noch nicht?
Vergleich
In holder Anmut wie Dione