Zu einer goldnen Hochzeit

Luise Büchner

1877

Schweift der Geist zurück in jene Tage Alter Zeiten, Schönres er nicht findet, Als das Schicksal, welches eine Sage Uns von Philemon und Baucis kündet.

Treuerprobt im Glücke und im Leide, Wuchs ihr Leben so in Eins zusammen, Dass - damit der Tod sie niemals scheide, Ließ ein Gott aus ihnen Bäume stammen

Deren Zweige unauflöslich breiten Sich zum Schattendache, und ein Tempel Werden vielen Paaren, die voll Freuden Nehmen dran ein liebendes Exempel.

Und mir deucht, es sei in diesem Paare Philemon und Baucis neu erstanden - Silberhell erglänzen ihre Haare, Golden ihrer Treue feste Banden.

Treuerprobt im Glücke und im Leide, Wuchs ihr Leben ganz in Eins zusammen, Doch ein mildrer Gott noch ließ für Beide Höhre Freude, süßres Glück entstammen.

Noch im Vollgenuss der Lebensfülle, Frisch am Geiste, frisch des Herzens Triebe, Feiern sie in edler Menschenhülle Heut das seltne Jubelfest der Liebe!

Wohl seh ich zwei Bäume sich verschlingen, Doch nur als Symbol von jener Sage - Lasst es euch von treuen Freunden bringen, Die sich mit euch freun an diesem Tage!

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Illustration zu Zu einer goldnen Hochzeit

Interpretation

Das Gedicht "Zu einer goldnen Hochzeit" von Luise Büchner beschreibt die tiefe Verbundenheit eines langjährigen Ehepaares, das gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen ist. Die Autorin vergleicht ihre Liebe mit der Sage von Philemon und Baucis, die in der griechischen Mythologie als treues Paar bekannt sind, das nach ihrem Tod zu Bäumen verwächst, um für die Ewigkeit vereint zu bleiben. Büchner schildert, wie das Leben des Ehepaares in Einheit gewachsen ist und ihre Liebe durch die Prüfungen des Lebens gestärkt wurde. Der Vergleich mit Philemon und Baucis wird aufgegriffen, wobei die Autorin betont, dass die moderne Liebe noch glücklicher und erfüllter ist, da das Paar noch in voller Lebensfreude und geistiger Frische zusammen feiern kann. Das Gedicht endet mit einer symbolischen Darstellung der beiden Eheleute als ineinander verschlungene Bäume, die jedoch nur als Zeichen ihrer Liebe dienen. Die Autorin wünscht dem Paar, dass sie diesen besonderen Tag mit treuen Freunden feiern können, die sich mit ihnen freuen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Schweift der Geist zurück in jene Tage
Anspielung
Philemon und Baucis
Bildsprache
Zwei Bäume sich verschlingen
Hyperbel
Heut das seltne Jubelfest der Liebe
Metapher
Goldenen Hochzeit
Personifikation
Ein Gott aus ihnen Bäume stammen
Symbolik
Zweige unauflöslich breiten
Vergleich
Silberhell erglänzen ihre Haare, Golden ihrer Treue feste Banden